Es kann sein, dass es Dinge gibt, die ein Fotograf nicht lernen kann. Ich höre es immer wieder von teilweise professionellen Fotografen, dass man das fotografische Auge hat, oder eben nicht. Ich vermag das nicht zu beurteilen. Im Laufe der Zeit, die ich bereits fotografiere, bilden sich für mich aber 5 wichtige Punkte aus, mit denen jeder Mensch in jeder Situation bessere Bilder macht. Beachtet man alle 5 Punkte gleichzeitig, erhält man außergewöhnliche Bilder.

Im Folgenden gebe ich einen kurzen Überblick, über meine Top Five für bessere Bilder. Das ein oder andere hast Du so oder so ähnlich schon mal in anderen Beiträgen lesen können. Am Ende des Artikels findest Du, wie gewohnt, Tipps zum Weiterlesen.

1. Die richtige Ausrüstung

Der Punkt, über den sich die meisten Hobbyfotografen am meisten streiten, ist die Wahl der richtigen Ausrüstung. Komischerweise beschränken sich die Diskussionsthemen meistens auf die Kamera.

 

Ausrüstungsfetischisten müssen jetzt stark sein: Ich halte die Wahl der Kamera bzw. des Aufnahmemediums in den meisten Situationen für das unwichtigste Element eines guten Bildes. „Die beste Kamera ist die, die man dabei hat“  wusste schon Eliot Erwin zu berichten. Kurz bedeutet das für mich: Du musst mit Deiner Kamera gerne fotografieren. Und wenn das für Dich ein Smartphone ist, so kannst Du 80% aller Bilder mit einem ähnlichen Anspruch machen, wie mit einer „Profikamera“.

Was aber elementar wichtig ist, ist die Ausrüstung darum herum. Solltest Du – wie ich – gerne mit längeren Belichtungszeiten spielen, dann benötigst Du auf jeden Fall ein Stativ. Ferner sind bei Systemkameras und Spiegelreflexkameras die richtigen Objektive, mit den richtigen Brennweiten sehr entscheidend für die Bildwirkung. Fotografierst Du gerne mit Gegenlicht und hast oft sehr dunkle und sehr helle Elemente im Bild, so kann ein Grauverlaufsfilter helfen. 

Zu jedem dieser Einzelpunkte kann man einen eigenen Artikel schreiben. Und zu jedem Einzelpunkt gibt es auch viele Artikel im Netz inklusive Testberichte und so weiter. Mache Dich bei der Ausrüstung nicht verrückt: Es ist schön eine tolle Ausrüstung zu haben. Sie bringt Dir nichts, wenn sie zu Hause liegt. Nimm mit, was Du gerne dabei hast und mache schöne Bilder. Mit der Auswahl des richtigen Motivs reicht schon ein ordentliches Smartphone für ein gutes Foto aus!

2. Das richtige Motiv

Wichtiger, als die Ausrüstung, ist das Motiv. Es bringt Dir nichts, wenn Du mit einer 10.000€-Kamera vor einem Haufen brauner Erde stehst. Ein gutes Motiv ist Elementar für ein ansprechendes Foto. 

Was ist ein gutes Motiv? Ich finde alles, was Emotionen auslöst: Bei Dir und beim Betrachter. Ich wundere mich oft über Bilder, die eigentlich gar kein Motiv haben. Erinnert Ihr Euch an den Blutmond? Tausende Fotografen waren unterwegs, um ihn abzulichten. Was machten Sie? Sie legten die längste Brennweite auf ihre Kamera, die sie finden konnten und hielten genau darauf zu. Heraus kamen Millionen Bilder mit einem weiß-roten Mond. Ansonsten war auf den Bildern nichts weiter zu sehen.

Versteht mich nicht falsch: Es sind tolle Fotografen, die tolle Bilder machen. Aber für mich ist der Mond an sich kein Motiv. Er löst nichts in mir aus, wenn ich so ein Bild betrachte. Es fehlt die Emotion! Ebenso ist einfach ein Sonnenaufgang alleine an sich für mich kein Motiv. Mond oder Sonne als Hauptelement in einem Bild hat für mich höchstens dokumentarischen Charakter. Achtet bei jedem Bild immer auf meinen nächsten Punkt, dann hilft Euch ein Blutmond oder ein Sonnenaufgang dabei wirklich außergewöhnliche Bilder zu machen.

3. Bildgestaltung

Wenn Ihr nun ein Motiv und zufällig auch die richtige Ausrüstung dabei habt, dann hilft Euch die richtige Bildgestaltung, ein außergewöhnliches Foto zu bekommen. 

Ich denke jeder Mensch hat in seinem Leben schon mal was vom „Goldenen Schnitt“ gehört. Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, welche Gestaltungsregeln es gibt und wie diese anzuwenden bzw. wann diese zu ignorieren sind. Auch dazu habe ich bereits einen kompletten Artikel geschrieben.

Wichtig ist nur, dass es Gestaltungsregeln gibt. Einen Link zu einem schönen Artikel von Christian Anderl findest Du auch am Ende dieses Beitrags. 

Ein Bringer in der Landschaftsfotografie möchte ich aber hier dennoch kurz anreißen: Setze den Horizont so oft wie möglich auf 1/3 bzw. 2/3 des Bildes. Oft sehe ich wunderschöne Bilder, in denen alles stimmt. Nur der Horizont ist ungewollt mittig platziert. Probiere es aus: Gehe raus und mache ein paar Bilder, auf denen der Horizont eine wichtige Rolle spielt. Mache ein Foto, bei dem Du den Horizont in die Mitte setzt und eins, wo Du ihn „drittelst“. Beobachte, wie dieser kleine Tipp die Bildwirkung fundamental verändert! Die meisten Kameras und Smartphones bieten Dir dafür als Hilfe die Möglichkeit an, ein Raster auf dem Display oder im Sucher einzublenden. Nimm ein Drittelraster und orientiere Dich ab jetzt so oft es geht daran. Es führt automatisch zu besseren Bildern.

Abschließend zu den Gestaltungsregeln noch ein kurzer Gedanke: Ich finde, jeder ambitionierte Fotograf sollte sie kennen und mit ihnen arbeiten. Warum? Um sie anschließend bewusst zu brechen und mit ihnen zu spielen. Du kannst am Ende nur bewusst einsetzen und ignorieren, was Du kennst und kannst. Aber jede Gestaltungsregeln ist hinfällig, wenn Dein Bild keine Emotionen vermittelt.

4. Emotion

Ein Bild, das beim Betrachten bei Dir oder anderen Menschen keine Emotion auslöst, ist kein gutes Bild. Ich hatte bereits das Beispiel mit dem Blutmond. Ein Foto vom Blutmond löst bei mir nichts aus. Aber stelle Dir vor, Du hast den Blutmond vor einem alten, heruntergekommenen Haus. Leichtes Laub liegt vor dem Haus, ein Rabe sitzt auf dem Giebel. Was löst das in Dir aus? Eben: Emotionen! 

Alleine die Vorstellung eines Bildes, ohne dass Du es betrachtest, kann bei Dir Emotionen auslösen. Wir Menschen sind für Emotionen gemacht. Wir können nicht ohne sie. Und so kann ein gutes Bild nicht ohne Emotionen existieren.

Lass es mich anhand meines Beispielbildes erklären:

Die Aufnahme des Bildes war nicht sehr schwer. Ich stand am Gipfel eines Berges in den österreichischen Alpen. Vor dort oben starteten die Fallschirmspringer in ihr Abenteuer. Man hätte sogar einen Tandemsprung buchen können, dafür war ich aber in dem Moment zu feige. Mich faszinierte es, dass Dutzende dieser Springer mit einem Gottvertrauen über die Bergkuppe rannten und sich in die Freiheit stürzten. Mit Empathie konnte ich fühlen, wie sie sich fühlen müssen.

Mein einziges Ziel war es bei dem Bild diese Emotion der Freiheit einzufangen. Das Motiv war klar, Gestaltungsregeln rudimentär beachtet und Technik spielte eine untergeordnete Rolle. Ich wollte die Emotionen in das Bild bringen! Ich wollte, dass ich, aber auch andere Betrachter des Bildes, die Freiheit spüren, die diese Situation für mich aussagte.

Du kannst mit unterschiedlichen Emotionen spielen. Und auch die oft verschrienen „negativen“ Emotionen können tolle Bilder hervorbringen. Wichtig ist nicht, welche Emotion Du in den Mittelpunkt Deines Bildes stellst. Wichtig ist nur, dass Emotionen da sind. Es gibt für mich nur noch einen Punkt, der in der Fotografie noch wichtiger ist, als die Emotionen.

5. Das Licht

Fotografie heißt so viel wie „Malen mit Licht“ oder „Zeichnen mit Licht“. Alleine das Wort springt uns an und sagt uns, wie wichtig das Licht für ein Bild ist. Klar, technisch sowieso. Kein Licht, kein Bild: Logisch! Aber das ist nicht der zentrale Punkt, den ich hier beschreiben möchte.

Der Mensch ist im Grundsatz faul. Er steht nicht gerne früh auf, und wenn es dunkel wird, begibt er sich langsam auf den Weg nach Hause. Geht mir nicht anders! Für außergewöhnliche Bilder ist eben das kontraproduktiv. Wie oft sitze ich morgens im Auto, auf dem Weg zur Arbeit, und ärgere mich, dass ich jetzt keine Zeit habe an einem schönen Ort zu fotografieren. Und wie oft liege ich schlafend im Bett, wenn ich die Zeit habe und eben dieser Moment unerkannt an meinem Leben vorbeizieht?

In der Fotografie ist nichts wichtiger, als das schöne Licht. Die Zeit vor Sonnenaufgang bis etwa eine Stunde danach und vor Sonnenuntergang bis etwa eine Stunde danach (das variiert ein bisschen in den Jahreszeiten) eignen sich für außergewöhnliche Bilder am Besten. 

Natürlich kann man bei schlechtem Mittagslicht unter Beachtung aller vier vorherigen Punkte noch anspruchsvolle Bilder schießen. Aber legendär werden sie nur mit einem tollen Licht.

Probiere es aus: Stehe im Sommer um 3 Uhr auf, fahre zu einem schönen Ort und fotografiere dort mit Smartphone oder Kamera die Umgebung. Du wirst kaum glauben, wie schön Deine Bilder werden, obwohl Du vielleicht nichts anderes getan hast, als sonst. Licht ist die Essenz der Fotografie!

Was man als Fotograf lernen kann und was nicht: Die Entscheidung überlasse ich den Profis und der Forschung. Für mich steht nur fest: Wer diese 5 Dinge bei seinen Fotos beachtet, der macht automatisch ansprechendere Bilder. Ansonsten ist jedes Foto aus meiner Sicht Kunst. Und Kunst liegt immer im Auge des Betrachters. Aber probiert es aus und schreibt mir gerne Eure Meinung dazu!

Schön, dass Du hier bist!

Weiterlesen:

Einen tollen Artikel zum Thema Bildgestaltung findet Ihr hier:

https://christiananderl.com/blog/bildgestaltung/ 

Hier findest Du Artikel, die etwas tiefer in die Materie abtauchen:

https://svenbunk-fotografie.de/wozu-ein-stativ

https://svenbunk-fotografie.de/wozu-ein-stativ

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