Jeder Fotograf benutzt verschiedene Techniken. Dabei hat auch jeder Fotograf bestimmte Vorlieben, da bin ich sicher. Eine meiner liebsten Techniken, wenn nicht vielleicht sogar das für mich wichtigste Stilmittel, ist das Spiel mit der Belichtungszeit bei einem Foto. Ich werde Dir heute erzählen, was ich damit meine, wie ich das mache und was es mir bringt. Übrigens: Auch wenn Du es vielleicht nicht glaubst, aber Du bist auch ein Fotograf. Oder fotografierst Du nicht? 

Was ist die Belichtungszeit

Die Frage nach der Belichtungszeit ist schnell beantwortet und erfordert nur geringes technisches Know-How. Klar, wenn man viel dafür wissen müsste, könnte ich es Dir gar nicht erklären. Ich bin ja von Natur aus (und auch in der Natur selbst) eher faul.  

Kurz geantwortet ist die Belichtungszeit die Zeit, die ein Foto benötigt, um korrekt belichtet zu werden. Durch das Objektiv und die Linsen fällt Licht auf den Sensor. Der Sensor muss nun eine bestimmte Zeit diesem Licht ausgesetzt werden, damit das Motiv für immer und ewig richtig belichtet auf die Speicherkarte oder den analogen Film gebannt werden kann. Eine zu lange Belichtungszeit führt dazu, dass Bildbereiche weiß werden. In diesen Bereichen sind dann keine Strukturen mehr zu erkennen – sind sind „ausgefressen“. Zu kurze Belichtungszeiten bewirken das Gegenteil: Bildbereiche werden komplett schwarz. Auch hier erkennt man keine Details mehr.

Schlussendlich gibt es auch Fotos, auf denen gleichzeitig überbelichtete und unterbelichtete Bildbereiche zu erkennen sind. Das kennst Du bestimmt, wenn Du gegen die Sonne fotografierst. Da tut sich jede Kamera schwer. Wenn nicht Gegenlichtaufnahmen so unfassbar schön wären. Wie Du tolle Bilder gegen die Sonne machen kannst, werde ich Dir in einem späteren Blog erzählen. 

Die Belichtungszeit ist für mich aber nicht nur ein rein technisches Mittel. Ich nutze sie auch für meine Zwecke und spiele regelrecht mit ihr. Hast Du schon mal ein Bild verwackelt? Ich wette, das ist Dir auch schon passiert. Ich selbst habe so nervöse Finger, ich verwackle Bilder sogar noch, wenn die Kamera auf einem Stativ befestigt ist und ich gar nicht in der Nähe bin. Oft laufe ich auch während der Belichtung gegen das Stativ und stoße mir den Kopf. Wie ich das mit einem auf dem Boden montierten Dreibein schaffe und wie ich dabei aussehe, überlasse ich gerne Deiner regen Fantasie. 

Bewegung im Bild darstellen

Ein Foto macht im Prinzip nichts anderes, als ein bewegtes Bild einzufrieren und für die Ewigkeit festzuhalten. Bewegungen in einem Foto darzustellen scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Aber das Gegenteil ist der Fall. Mit Hilfe der Belichtungszeit lässt sich hervorragend eine tolle Dynamik ins Bild zaubern. Wenn sich in einem Bild etwas bewegt, und Du spielst mit der Belichtungszeit – möglichst bewusst -, kannst Du richtig tolle Aufnahmen produzieren. Bei längeren Belichtungszeiten provozierst Du dabei eigentlich das Verwackeln eines Bildes, was ja eigentlich niemand möchte. Während aber Licht auf den Sonsor fällt und die Aufnahme läuft, bewegt sich ein Teil des Motives. Dieser Teil verwischt dann und wird im eigentlichen Sinne unscharf dargestellt. Der unbewegliche Teil des Motivs jedoch ist weiterhin knackig scharf. Das führt zu tollen Effekten! 

Auf dem Titelbild erkennst Du das Gegenteil einer langen Belichtungszeit. Mit sehr kurzen Zeiten kannst Du Bewegungen einfrieren. Eine Situation, die das menschliche Auge höchstens flüchtig wahrnimmt, bleibt für immer in einem Standbild verewigt. Ein außergewöhnliches Bild entsteht, weil es für unsere Wahrnehmung nicht alltäglich ist. Für unser Auge ist die Welt im Fluss. Für Parmenides übrigens auch, aber das ist ein anderes Thema. 

 

Kurze vs. lange Belichtungszeit

Das Gegenteil von einem „eingefrorenen Motiv“ siehst Du in diesem Bild. Hier habe ich für 30 Sekunden ununterbrochen belichtet. Das rauschende Wasser mit großartigem Wellengang wird plötzlich komplett glatt, homogen und bekommt darüber hinaus sogar eine milchige Anmutung. Dabei ist alles, was nicht oder nur kurz mit dem Wasser in Berührung gekommen ist, weiterhin scharf. Eigentlich ist das nichts anderes, als hätte ich 30 Sekunden lang das Bild komplett verwackelt. Hätte ich versucht dieses Foto ohne Stativ zu machen, wäre es auch so gewesen. Ein solches ist unverzichtbar für diese Art der Aufnahmen. Nimm ein Stativ zur Hand, wenn Du länger als 1/50 Sekunde (abhängig von der Brennweite, die Du benutzt) belichtest. Nur dann bekommst Du verlässlich ähnliche Bilder. 

Ich fasse an dieser Stelle mal zusammen: Mit kurzen Belichtungszeiten kannst Du Bewegungen einfrieren. Das ist immer dann toll, wenn die Bewegungen sehr schnell sind und für das menschliche Auge nahezu unsichtbar. Beispiele sind hier Wellen, schnelle Bewegungen Deines Hundes oder auch ein Tropfen, der sich von einem Wasserhahn löst und grazil in die Oberfläche eines mit Flüssigkeit gefüllten Behälters eintaucht. Mit langen Belichtungszeiten verwischst Du Bewegungen im Bild bis dahin, das unruhige Bewegungen plötzlich eine in sich harmonische Einheit bilden. Das ist immer schön, wenn Du einen unruhigen See mit einer glatten Oberfläche darstellen möchtest, oder wenn Du sich relativ schnell bewegende Wolken in einem dynamischen Wolkenzug fotografieren willst.

Alles, was zwischen kurzen und langen Belichtungszeiten liegt, nenne ich „das Spiel mit der Belichtungszeit“. So kannst Du (wie im folgenden Bild) zum Beispiel bei mittleren Belichtungszeiten dem Wasser noch ein bisschen Struktur lassen, um es dynamisch wirken zu lassen. Dennoch verschwindet die sich durch den Wind kräuselnde Oberfläche des Bachs, die die Harmonie im Bild zerstören würde. Hier habe ich im Übrigen 4 Sekunden belichtet. Es gibt kein richtig oder falsch. Probiere es aus und spiele mit der Belichtungszeit. Taste Dich langsam ran und mache unterschiedliche Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung. Vergleiche die Resultate und erfreue Dich zwischendurch diesem unheimlich schönen Effekt. Es lohnt sich!

Wie das alles funktioniert

Du fragst Dich vielleicht jetzt, wie Du bei Deiner Kamera und den feststehenden Lichtverhältnissen überhaupt Einfluss auf die Belichtungszeit hast. Sehr gute Frage. Hätte von mir kommen können. Hier ein paar Ideen dazu.

Zunächst musst Du natürlich im manuellen Modus fotografieren. Für die Experten sei gesagt, dass natürlich auch die Blendenautomatik (auch Zeitpriorität) als Programm in Frage kommt. In diesen Modi kannst Du Belichtungszeit, Blende und viele andere Dinge manuell einstellen. Das musst Du tun, damit es funktioniert. Nun kannst Du ein bisschen mit der Blende und den ISO-Werten experimentieren. Stelle die ISO-Zahl Deiner Kamera auf den niedrigsten Wert (meistens ISO 100, manchmal auch 50). Die Blende hingegen stellest Du auf den höchsten Wert, den Deine Kamera mit Deinem Objektiv zu bieten bat. Beide Einstellungen führen dazu, dass Du länger belichten musst, um ein vernünftig belichtetes Foto ohne schwarze Bildbereiche zu bekommen.

Du wirst sehen, schnelle Bewegungen verwischen schon bei diesen kleinen Einstellungen. Schnelle Bewegungen macht eine Kamera übrigens auch, wenn Du nicht hier schon ein Stativ verwendest. Alternativ kannst Du die Kamera auch auf einem festen Untergrund ablegen. Hier aber nicht vergessen den Selbstauslöser zu benutzen. Alleine das Drücken auf den Auslöser führt oft schon zu verwackelten Bildern, besonders bei langen Belichtungszeiten.

Eine zweite Alternative ist, Du fotografiert bewegte Motive, wenn Du wenig Licht hast. Auch dann musst Du logischerweise länger belichten. ISO-Werte und Blende helfen Dir auch dann noch zusätzlich dabei die Belichtungszeit weiter zu erhöhen. Die meisten Kameras lassen Zeiten bis 30 Sekunden in der Einstellung zu. Möchtest Du noch länger belichten, was durchaus vorkommen kann, musst Du die richtige Belichtungszeit errechnen oder schätzen, von Hand stoppen und manuell beenden. Das klingt jetzt sehr schwer, ist es aber gar nicht. Gehe mal Nachts raus, wenn es komplett dunkel ist, und fotografiere ein bisschen. Du wirst sehen, Du entwickelst sehr schnell ein Gefühl für die richtige Belichtungszeit.

Der Graufilter hilft, wenn nichts mehr hilft

Wenn Du eine niedrige Blende für Dein Motiv benötigst und zufällig mal die Sonne scheint, also viel Licht vorhanden ist, kannst Du einen sogenannten Graufilter vor die Kamera schrauben bzw. klemmen. Der macht nichts anderes, als weniger Licht auf die Linse fallen zu lassen, ohne die Farbe zu verändern, zumindest, wenn Du keinen zu billigen fehlerhaften Graufilter verwendest. Einen Kauftipp findest Du am Ende des Artikels. Ein Graufilter funktioniert im Prinzip wie eine Sonnenbrille für die Kamera. Er lässt weniger Licht in der gleichen Zeit zum Sensor durch, weil er das Objektiv abdunkelt.

Mit einem Graufilter gelingt es Dir auch bei gleißend hellem Licht die Belichtungszeit um ein Vielfaches zu verlängern. Gängig sind vor allem Stufen von 8-, 64- und 1000-Facher Belichtungszeit. Hast Du also Lichtverhältnisse, die eine Belichtungszeit von einer Sekunde erfordern, kannst Du mit einem 8-Fachen-Graufilter die Zeit auf 8 Sekunden verlängern. So gelingt Dir das Spiel mit der Belichtungszeit im Handumdrehen und Du erhältst zudem tolle Fotos, die außergewöhnlich sind und die Betrachter ins Staunen versetzen.

Probiere es aus! Schön, dass Du hier bist!

Weiterlesen

Einen schönen Artikel zum Zusammenspiel aus Belichtungszeit, Blende und ISO findest Du hier:

https://tinos-fotoblog.de/fotografieren-lernen/iso-blende-belichtungszeit/

Weitere Tipps zur Fotografie findest Du hier:

https://svenbunk-fotografie.de/die-brennweite

https://svenbunk-fotografie.de/quicktipp-vordergrund

Kauftipp Graufilter

Ich habe gute Erfahrungen mit den Graufiltern (die sich übrgiens auch ND-FIlter nennen) von Benjamin Jaworskyj gemacht. 

https://lernvonben.de/product/nd-filter-set-graufilter-phorex-jaworskyj-58-mm/

Beachte, dass Du bei Schraubfiltern den Durchmesser Deines Objektiy benötigst, damit die Filter auch auf das Schraubgewinde passen. Den Durchmesser findest Du auf Deinem Objektiv abgedruckt. Möchtest Du einen Graufilter für mehrere Objektive mit unterschiedlichen Durchmessern benutzen, gibt es kostengünstige Adapter. 

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