Eichhörnchenvogel? Was soll denn das sein? Das sieht eher aus wie ein Eichhörnchen. Ich merke schon, ich kann Dir nichts vormachen. Aber ursprünglich sollte das mal ein Eisvogel werden. So ist das manchmal im Leben: Du willst das eine und bekommst das andere. Und wenn wir es richtig betrachten, ist es oft gar nicht schlechter. Aber dazu später mehr.

Wie es dazu kam

 

Viele meiner Bilder teile ich oft als erstes auf meiner Facebook-Seite. So auch dieses. Nicht für alle Fotos bekomme ich ein durchweg gutes Feedback. Ist ja auch klar, niemand kann nur „Volltreffer“ produzieren. Außer Stefan Raab natürlich. Ganz anders aber bei diesem hier. In unregelmäßigen Abständen habe ich es bisher veröffentlicht, immer aber kam es wirklich gut an. Offensichtlich ist hier ja ein Eisvogel dargestellt. Zumindest wollte ich an diesem Tag einen gefiederten Freund dieser Gattung fotografieren. Aber wie so oft: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und dennoch kommt oft etwas Gutes dabei raus, wenn Du denn bereit bist „das andere“ zu akzeptieren. Dennoch bleibe ich dabei: Das ist ein Eisvogel. Basta!

Es war vor ein paar Jahren im Harz. Ich fotografiere gerne dort, da es einerseits von meinem Zuhause aus für ein Wochenendausflug bequem zu erreichen ist, und andererseits der Harz für mich auch zu einem der schönsten Gebirgszüge in Deutschland gehört. Im Sommer befahre ich ihn gerne mit dem Motorrad, im Herbst fotografiere ich ihn. Zu jeder Jahreszeit ist er einen Ausflug wert. Vor allem, wegen dieser wunderschönen Eisvögel.

Mein Workflow im Harz

Ich teile meine Zeit in der dunklen Jahreszeit so ein, dass ich zur Dämmerung an landschaftlich beeindruckenden Fotospots aufschlage. Oft ist hier ein Spaziergang im Dunkeln durch die dichten Wälder über Stock und Stein nötig. Aber heute möchte ich zur Abwechslung mal nicht über meine kläglichen Versuche berichten, die meistens zu nassen Füßen und schmutzigen Klamotten führen. Zumindest nutze ich das spärliche Tageslicht, um Tiere in freier Wildbahn abzulichten. An diesem Tag hatte ich es auf den Eisvogel (nicht Eichhörnchenvogel) abgesehen.

Jener lebt gerne zurückgezogen an Ufern von fließenden Gewässern. So ist die Bode im Harz ein optimaler Lebensraum für den kleinen Kerl. Er sitzt auf Bäumen am Rande des Gewässers und wartet darauf, dass er sich auf seiner Jagd nach Beute kopfüber in die Fluten stürzen kann. Während seiner kurzen Tauchgänge verpasst er diese nur selten. Die eigentliche Besonderheit aber ist sein prachtvolles Gefieder und seine Eleganz, die er im Flug an den Tag legt. Genug Gründe für mich, einen Versuch zu starten, ihn zu fotografieren.

Ich bin bereit…

Ich wanderte also entlang der Bode. Mein Blick geschärft, die Kamera im Anschlag und bereit für mein Bild. Mir war klar, das kann heute nicht schief gehen. Ich entdeckte einige Fotografen am Ufer der Bode, die sich gerade im Herbst als hervorragendes Motiv eignet. In einem vorherigen Ausflug habe ich es meinen Kollegen gleich getan, wie Du auf dem vorherigen Bild sehen kannst. Du siehst dort auch das eher miese Licht an dem Tag. Deswegen ist das Motiv schön, das Foto eher durchschnittlich. 

Heute aber hatte ich ein anderes Ziel: Den Eisvogel. Ich verließ die Wege, wo ich konnte, kam zurück und war geduldig. Fällt mir übrigens oft schwer, ist aber eine nötige Tugend bei der Fotografie von wildlebenden Tieren.

Und plötzlich sah ich ihn! Das muss ein wunderschönes Exemplar sein, heute ist mein Tag. Ich begann mich vorsichtig  anzupirschen, verließ den befestigten Weg, kletterte einen kleinen Hang hinauf und wollte den Kleinen auf keinen Fall verschrecken oder auch nur stören. Das stünde mir nicht zu! Ich machte ein Foto aus sicherer Entfernung, blieb mit meiner Hose zwischen zwei Baumwurzeln stecken, taumelte zurück und hielt mich nur mit Mühe auf den Beinen. Die Gefahr war spürbar, meine Hose doch wieder schmutzig. Aber egal jetzt, ich schlich mich weiter leise an. Klick!

Pech gehabt! Oder doch nicht?

Je näher ich herankam, desto mehr dämmerte mir, dass ich keinen Eisvogel vor meine Linse bekommen hatte. Okay, ich sehe Dich lachen. Einen Eisvogel mit einem Eichhörnchen verwechseln? Ein Eichhörnchenvogel, oder was? So doof kann nur ein Kerl sein. Stimmt wahrscheinlich, in dem Fall habe ich durchaus bemerkt, dass ich kein Eichhörnchen fotografierte. Ich habe erst in einer späteren Recherche herausgefunden, dass ich einem Kleiber auf den Leim gegangen bin.

Ich möchte dem kleinen Spatz, ähm Kleiber, kein Unrecht tun. Auch er ist ein wunderschönes Tier, das meine Bewunderung mehr als verdient hat. Deswegen bekommt er sie auch, wie jedes andere Lebewesen auf der Welt auch. An diesem Tag wollte ich aber doch soo gerne einen Eisvogel fotografieren.

Ich wendete mich also etwas enttäuscht ab und bemerkte im Aufgenwinkel nur flüchtig, dass ein Eichhörnchen sich die ganze Szenerie aus ein paar Meter Entfernung mit einem mit Sicherheit nicht nur eingebildeten, höhnischen Grinsen angeschaut hatte. Jetzt wurde es ihm aber zu langweilig und es beschäftigte sich lieber wieder mit der Futtersuche. Das Eisvogelhörnchen musste vorher schon mal einen leicht tollpatischigen Typen begegnet sein, denn es ließ sich von meiner Anwesenheit nicht besonders beeindrucken. Nicht mal der Kleiber störte offenbar. 

Ein dankbares Motiv

Mit meiner blitzschnellen Auffassungsgabe wusste ich, ich kann hier ein brauchbares Foto schießen. So begann ich den Eichhörnchenvogel zu fotografieren. Es legte noch etwas Make-up auf, posierte professionell und heraus kam eines meiner erfolgreichsten Bilder bis dato. Einen Eisvogel habe ich bis heute nicht fotografieren dürfen. Aber ich bleibe am Ball!

Ein verlorenes Ziel macht noch keinen Schwalbensommer – oder so ähnlich

Manchmal laufen die Dinge im Leben nicht wie geplant. Manchmal stecken wir uns Ziele und erreichen sie nicht. Leider sehen wir zu oft nicht oder zu spät, wofür das alles gut sein kann. Bleibe auf Deinem Weg immer aufmerksam und schaue Dich um. Der Erfolg liegt manchmal abseits Deiner Dir gesteckten Ziele, denn Erfolg ist etwas total subjektives.

Du solltest Dir Ziele setzen im Leben, denn sie geben Dir eine Richtung und eine Orientierung. Du solltest sie auch nicht so schnell über Bord werfen, wenn es mal nicht so läuft. Schließlich hattest Du einen einen guten Grund, warum Du sie Dir gesetzt hast. Du solltest Dir aber Deinen Erfolg nicht nur am Erreichen Deines Ziels bewusst machen. Es gibt so viel mehr auf dieser Welt, als das bloße ankommen. Genieße den Weg dorthin, genieße jeden Tag, genieße Dein Leben. Du hast nur dieses eine Leben und Du hast nur diesen einen Tag – heute! Also warum nicht auch mal dankbar Gelegenheiten annehmen, die abseits Deiner Ziele liegen, und mit denen Du nicht gerechnet hast?

Schön, dass Du hier bist!

Hast Du auch schon schöne Begegnungen in der Natur gehabt, mit denen Du nicht gerechnet hast? Poste sie gerne in die Kommentare!

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Und wenn Du wissen willst, wie ein Eisvogel wirklich aussieht, und was er so macht, empfehle ich Dir:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eisvogel

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/1973-eisvogel/index.html

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