Mein Blog geht in die zweite Runde. Heute beginne ich mit einem Quicktipp zum Thema Brennweite. Was ist das? Was soll das überhaupt? Brauche ich das, oder kann das weg? Ich werde Dich dabei nicht oder wenigstens nur so viel wie nötig mit technischen Details nerven. Dazu findest Du am Ende wie gewohnt Tipps zum Weiterlesen. Hier möchte ich einfach ein bisschen Licht ins dunkle bringen, oder vielmehr auf den Sensor. Los geht`s!

Was ist die Brennweite?

„Die Brennweite ist der Abstand zwischen der Hauptebene einer optischen Linse oder eines gewölbten Spiegels und dem Fokus (Brennpunkt)“ beschreibt Wikipedia den Begriff im ersten Satz. Bitte stelle Dir jetzt vor, dass ich die Augen verdrehe. Als Fotograf bringt mich das erst mal nicht weiter. Wir kennen nur die kryptischen Zahlen, die auf der Oberfläche eines Objektivs abgebildet sind. Was aber sagen die aus? Kurz vorweg die glasklare und unmissverständliche Antwort: Es kommt ganz darauf an. Aber worauf? Bis jetzt gibt es mehr Fragen, als Antworten. Aber keine Angst, das ändert sich bei folgendem Experiment, das Du jetzt auf jeden Fall machen solltest. Schaue aber vorher, dass niemand in der Nähe ist. Es besteht die Gefahr, dass zufällig anwesende Menschen einen Krankenwagen rufen, wenn sie nicht eingeweiht sind und Dich so vorfinden.

Das Experiment

Nimm Deine Hände seitlich vor die Augen, wie bei den Scheuklappen eines Pferdes. Parke Deine Daumen unterhalb der Ohren und halte die Hände mit den Handflächen innen so, dass Du die Handinnenflächen gerade noch sehen kannst. Suche Dir jetzt mit den Augen einen Fixpunkt, der sich ein paar Meter entfernt von Dir befindet. Hast Du es? Du befindest Dich gerade im Weitwinkelbereich.

Jetzt verenge den Bildausschnitt, in dem Du die Handflächen (und nur diese, die Daumen bleiben am Ohr) enger vor Deinen Augen „zuklappst“. Behalte dabei stets Dein „Motiv“ im Auge. Du siehst nun wesentlich weniger von der Umgebung Deines Motivs, weil die Handinnenflächen den Blick verengen. Du befindest Dich nun im „Telebereich“

Die Brennweite ist nicht nur ein Zoom!

Wenn jetzt kein Krankenwagen vor Dir steht und Dich einliefern will, hast Du verstanden, was die Brennweite macht. Oft wird dieser Effekt fälschlich als „Zoom“ bezeichnet, da die Dinge näher erscheinen, je enger der Bildausschnitt ist. 

Das stimmt so nicht, denn es wird in der Fotografie lediglich weniger Motiv gezeigt, was den Eindruck erweckt, dass alles näher ist. Das hat noch einen Nebeneffekt, den ich Dir am Ende des Artikels kurz erläutere. Ich möchte vorher kurz zu den Zahlen kommen, die oft eine Brennweite beschreiben.

Um ein bisschen Theorie kommen wir nicht drumherum

Du musst nicht wissen, mit welchen mathematischen Formeln und Winkeln sich diese Zahlen berechnen. Für den Anfang reichen die wesentlichen Dinge. Der sogenannte „Normalbereich“, also der normale Bildausschnitt liegt bei etwa 50 mm Brennweite. Der Grund, warum die Brennweite in Millimetern angegeben wird, lassen wir hier auch weg. 50 mm Brennweite beschreiben in etwa den natürlichen Bildausschnitt, den der Mensch unter normalen Bedingungen (also ohne Hände vor den Augen wie Du gerade) sieht. Bei weiteren Bildausschnitten, wenn also mehr links und rechts auf einem Foto erscheint, als der Mensch sehen kann, spricht man vom „Weitwinkel“. Dabei wird die Zahl der Brennweite kleiner. Somit ist der Bereich von 0 mm – 50 mm der Weitwinkelbereich.

Bei besonders geringen Zahlen (0-24 mm etwa) spricht man von einem Ultraweitwinkel, ab etwa 24 mm bis 50 mm von einem leichten Weitwinkel. Dafür gibt es aber keine Wissenschaft, das sind lediglich Richtwerte. Sheldon Cooper könnte Dir das physikalisch besser erklären, als ich, deswegen lasse ich das mal. Alle Brennweiten, die größer als 50 – 55 mm sind, liegen im Telebereich.

Der Vergleich der Brennweite mit anderen Brennweiten ist schwierig

Jetzt wird es leider noch mal kompliziert. Aber der folgende Fakt ist wichtig: Die Zahlen der Brennweiten haben leider eine Abhängigkeit, weswegen ich meine Brennweite nicht ohne Weiteres mit Deiner vergleichen kann, wenn wir mit unterschiedlichen Kameras fotografieren. Das liegt an der Sensorgröße. Je größer der Sensor, desto größer ist logischerweise der Bildausschnitt schon mal rein physikalisch. Denn auf einen größeren Sensor passt mehr rauf. Logisch oder?

Jetzt musste man sich irgendwie einigen, welche Ausgangsbasis gewählt wird, um überhaupt irgendwas miteinander vergleichen zu können. Es wurde sich auf die Größe des Sensors einer „Kleinbildkamera“ (auch „Vollformat“) festgelegt. Nur hier ist die Brennweitenzahl für sich alleine genommen wirklich aussagekräftig. Bei allen anderen Sensorformaten muss ich erst das Verhältnis umrechnen. Das kann ich mit dem sogenannten Cropfaktor machen. Viele Spiegelreflexkameras der Einstiegssklasse haben zum Beispiel einen APS C-Sensor (z.B. Canon), der etwa 1,6 mal kleiner ist, als der Sensor einer Vollformatkamera. Somit muss ich die Brennweite mit 1,6 multiplizieren und habe dann das Kleinbildäquivalent. Fotografiere ich also mit 35 mm Brennweite an einem APS C-Sensor (leichter Weitwinkel), habe ich eigentlich einen Bildausschnitt von 35 x 1,6 = 56 mm. Somit bin ich bei diesen Kameras gar nicht mehr im Weitwinkelbereich, sondern sogar im leichten Tele. Je kleiner der Sensor, desto größer ist dieser Cropfaktor. 

Schluss mit Theorie – Ab in die Praxis!

Puh, das war jetzt hart, ich weiß. Zum Schluss aber noch das Wichtigste bei der Brennweite: Die Bildwirkung. Es geht eigentlich viel weniger um Zoom, also eben nicht darum, weit entfernte Gegenstände näher erscheinen zu lassen, sondern um die Entfernung der Gegenstände zueinander. Wir machen wieder ein Experiment. Nimm mal Dein Handy zur Hand und stelle zwei Gegenstände (z.B. Ein Glas und eine Flasche) in unterschiedlicher Entfernung und leicht versetzt auf. Fotografiere nun von vorne (gerne leicht von oben) ohne mit Deinem Smartphone zu zoomen ebendiese beiden Gegenstände. Als nächstes geht Du mit der Kamera weiter weg und zoomst etwas hinein, so dass der vordere Gegenstand in etwa wieder die gleiche Größe des Bildes einnimmt, wie auf dem vorherigen Bild. Es kommt hier nicht auf die Genauigkeit an, ungefähr reicht. Mache wieder ein Foto mit ähnlicher Perspektive und vergleiche diese miteinander. Was stellst Du fest? Richtig!

Das gleiche Bild und doch ist alles anders

Die Abstände der Gegenstände zueinander haben sich verändert, obwohl Du sie nicht verschoben hast und der erste Gegenstand in etwa gleich groß ist. Darüber hinaus wirkt der weiter entfernte Gegenstand größer, als im ersten Bild. Das macht die Brennweite in allererster Linie. Bei der Wahl der richtigen Brennweite für Dein Motiv solltest Du also vor allem diesen Effekt im Hinterkopf haben.

Ich hoffe, Du hast eine Idee davon bekommen, was die „Brennweite“ außer dem „Zoom“ kann. Probiere das bei Deinem nächsten Spaziergang mal aus. Wie gesagt, ein Handy reicht aus. Meine Bilder von der Flasche erfüllen auch keinen künstlerischen Zweck, aber sie zeigen den Effekt der unterschiedlichen Brennweite. Das kannst Du Dir mit ein bisschen Übung bei der Bildkomposition zunutze machen.

Weiterlesen

Hier findest Du einen tollen Artikel, der sich tiefergehend mit der Brennweite an sich und den verschiedenen Objektiven befasst:

https://www.pixolum.com/blog/fotografie/brennweite-und-brennpunkt-verstehen-besser-fotografieren

Weitere Artikel von mir findest Du hier:

https://svenbunk-fotografie.de/fotobiografie

https://svenbunk-fotografie.de/fotobiografie-teil-ii

https://svenbunk-fotografie.de/fotobiografie-teil-iii

 

 

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