Die richtige Perspektive ist elementar wichtig für ein gutes Bild. Was? Richtige Perspektive wirst Du Dich jetzt fragen? Was soll das sein? Das werde ich Dir beantworten. Vorweg: Es gibt immer eine richtige Perspektive. Aber es ist nie dieselbe.  

Jeder kann mit dem Wort „Perspektive“ etwas anfangen. Wie die genaue Definition lautet, weiß kaum jemand. Ich auch nicht. Deswegen habe ich Wikipedia dazu befragt. Der weiß ja bekanntlich fast alles.

Perspektive (von lateinisch perspicere‚ hindurchsehen, hindurchblicken) bezeichnet die räumlichen, insbesondere linearen Verhältnisse von Objekten im Raum: das Abstandsverhältnis von Objekten im Raum in Bezug auf den Standort des Betrachters. Damit ist die Perspektive stets an den Ort des Betrachters gebunden und kann nur durch Veränderung der Orte der Objekte und des Betrachters im Raum verändert werden. – Quelle: Wikipedia

Was ich darunter verstehe

Eine spannende Sicht auf die Dinge hat Herr Wikipedia da. Leider ist das für mich zu kompliziert. Ich versuche es jetzt mal in meine fotografische Sprache zu übersetzen: Die fotografische Perspektive ist das, was Du siehst. Das klingt vielleicht sehr vereinfacht und auch nicht besonders allgemeingültig. Aber kein Foto auf der Welt ist objektiv. Du machst ein Foto, weil Du dem Betrachter – egal ob Du es selbst bist, oder ob Du das Foto für andere Menschen gemacht hast – Deine ganz persönliche Perspektive auf einen klitzekleinen Ausschnitt der Welt zeigen möchtest. Nicht mehr, aber gewiss auch nicht weniger.

Somit kann ich gleich hier die Katze aus dem Sack lassen: Die richtige Perspektive eines Fotos ist dann erreicht, wenn Du die Szenerie so eingefangen hast, wie Du sie vorher gesehen hast. 

Kein wissenschaftliucher Anspruch – aber ein emotionaler

Klingt für Dich immer noch komisch? Gehen wir einen Schritt weiter. Warum kommst Du auf die Idee bei einem Spaziergang oder einem anderen Ausflug Dein Smartphone, Deine Kamera oder was auch immer Du dabei hast zu zücken und etwas zu fotografieren? Du tust es, weil Du etwas schön oder interessant findest. Du siehst etwas in der Situation, das möglicherweise kein anderer sieht. Das ist Deine Welt, die Du vielleicht mit anderen Menschen teilen willst. Und wir, die Welt – wir wollen das sehen. 

Dieses Bild ist ein schönes Beispiel für eine besondere Perspektive. Es wird Dich vielleicht überraschen, dass es an einer Promenade mitten in der Stadt entstanden ist, die in der Mitte durch eine solche Allee geschmückt ist. Ich lag flach auf dem Boden und benutzte eine lange Brennweite, das bedeutet ein Teleobjektiv mit 400 mm Brennweite.

 So wirkt das Bild, als stünden die Bäume inmitten eines Parks in geringem Abstand zueinander. In Wahrheit lag vielleicht ein Meter Distanz zwischen den einzelnen Bäumen. Die herbstliche Stimmung und die besondere Perspektive machen dieses Foto für mich zu etwas besonderem.

Gehe einen Schritt weiter

Die meisten Fotografen bleiben beim „Sehen“ eines Motivs. Sie nehemn es wahr, finden es schön, zücken ihr Aufnahmegerät und drücken ab, ohne sich darüber klar zu werden, welche Perspektive sie eigentlich ursprünglich vor dem geistigen Auge hatten. Und glaube mir: Sie hatten eine bestimmte Perspektive im Kopf. Mache Du ab sofort den zweiten Schritt. Überlege genau, was Du der Welt in welcher Perspektive, nämlich in Deiner, zeigen möchtest. Wie oft siehst Du Menschen auf dem Bauch im Dreck liegen um etwas fotografieren? Ich sehe das sehr selten! Wenn Du also in Zukunft jemanden bemerkst, der sich inmitten der freien Natur auf dem Boden räkelt, schaue mal genauer hin: Es könnte sein, dass Du mich mich gerade beim Fotografieren beobachtest.

Oft stellen sich Fotografen aber nahezu aufrecht vor ihr Motiv, bloß keine Bewegung zu viel machen. Das ist nicht weiter falsch, wenn es denn die Perspektive ist, die sie vor Augen hatten. Das Foto wird auch so irgendwie gelingen. Nicht näher ran, nicht bücken, keinen erhöhten Standpunkt suchen. Einfach draufhalten und abdrücken. Frag Dich selbst: Macht das Sinn?

Sinn oder Unsinn – Das ist hier die Frage!

Ist es das, was Du den Menschen zeigen möchtest? Die Welt aus 1,70 Meter Höhe (oder wie groß Du auch immer bist) mit einem zufälligen Abstand zum Motiv? Mache bitte immer genau das, was für das Bild wichtig ist, damit es das wiedergibt, was Du in der Szene gesehen hast. Gehe dabei gerne mal ungewöhnliche Wege und wähle eine ungewöhnliche Perspektive. Die Betrachter Deines Fotos werden es Dir danken.

Im Folgenden gebe ich Dir noch ein paar greifbare Tipss. Wie bei allen „Gestaltungsregeln“ gilt auch hier: Kenne sie, übe sie, probiere sie aus, spiele mit ihnen und ignoriere sie bewusst, wo es Sinn macht. Du wirst merken, diese Art der Regeln machen am Ende oft Sinn.

Landschaftsfotos

 

Siehst Du eine schöne Landschaft, suche Dir einen Vordergrund, wähle den größten Bildausschnitt (also nicht zoomen), den Dein Objektiv zu bieten hat, gehe so nah heran an Deinen Vordergrund, wie möglich (er sollte noch scharf zu stellen sein), wähle eine tiefe Aufnahmeposition knapp oberhalb Deines Vordergrundes, stelle auf das wichtigste Objekt im Bildausschnitt scharf und drücke den Auslöser. So bekommst Du garantiert ein besonderes Foto. 

Menschen und Tiere

Wenn Du Tiere oder Menschen fotografierst, fotografiere sie wirklich nur dann von oben, wenn Du bewusst eine bestimmte Bildwirkung verfolgst – und mache es dann extrem. Ansonsten gilt: Immer auf Augenhöhe oder von unten fotografieren. „Dafür muss ich mich ja meistens bücken?“. 

Stimmt! Mache es! Fotografiere Deinen Hund, Deine Katze, Deine Ehefrau, Deinen Sohn, Deine Enkelin immer auf Augenhöhe. Du wirst sehen, wie viel besser Deine Bilder und sogar Deine Schnappschüsse plötzlich werden. Ausnahmen sind hier wirklich nur, wenn Du bewusst eine andere Perspektive erzeugen möchtest. Darüber hinaus kannst Du in Deiner Phantasie sogar Gesichter in Gegenstände hineininterpretieren. Auch hier gilt dann: Auf Augenhöhe fotografieren.

Ein kleiner Tipp bei der Fotografie von Menschen oder Tieren am Rande: Das zentrale Element sind in den allermeisten Fällen die Augen. Achte also immer darauf, dass die Augen fokussiert und scharf gestellt sind. Ist das nicht der Fall, wirkt ein Bild für den Betrachter in den allermeisten Fällen komisch. In meinem heutigen Tipp zum Weiterlesen findest Du einen Artikel, der Dir erklärt, wie Du richtig auf die Augen fokussieren kannst.

Berge und Gewässer fotografieren

Möchtest Du eine besondere Berglandschaft fotografieren, gehe nicht ganz rauf auf den Berg, aber fotografiere auch nicht von ganz unten. Viele Bergbahnen bieten Mittelstationen, der optimale Winkel für beeindruckende Landschaftsaufnahmen – wenn das Licht stimmt. Suche Dir auch hier einen Vordergrund, eine geeignete Perspektive und auf geht`s. In meinem Beispielbild der Berglandschaft war das Licht übrigens alles andere als optimal.

Wenn ich Gewässer fotografiere, wähle ich meistens eine Perspektive, die den Betrachter in das Bild ziehen soll. Dazu suche ich mir einen Vordergrund, der bereits im Wasser liegt, um keine Abgrenzung vom Wasser zum Strand oder zum Ufer zu bekommen. Das können z.B. Steine sein, ein großer Ast oder aber ganz andere Dinge. Ist gerade nichts vorhanden an der Stelle, an dem ich das Gewässer fotografieren möchte, suche ich das Ufer oder den Flusslauf ab und drapiere mir den Vordergrund selbst. Lass Dir hier schon mal gesagt sein: Diese Methode führt unweigerlich zu nassen Füßen. Lass Dir auch gesagt sein: Na und? Du wirst es überleben!

Zum Schluss…

 

Mit diesen Gedanken zur Perspektive wollte ich Dich bewusst ein bisschen provozieren. Du kannst in der Nachbearbeitung eines Fotos viel verändern. Die Perspektive gehört in den meisten Fällen nicht dazu. Hast Du ebendiese vor Ort falsch gewählt, kommt das Foto wahrscheinlich gar nicht in Deine engere Auswahl mit den zu bearbeitenden Bildern. Schade drum, denn eigentlich hättest Du nichts anderes machen müssen, als das Motiv so zu fotografieren, wie Du es vor Deinem inneren Auge gesehen hast. Glaube mir: Du siehst die richtige Perspektive immer vor Dir, wenn Du Dich entscheidest, ein Motiv zu fotografieren. Schaue hin und tue einfach, was nötig ist. Hast Du das getan, erfreue Dich Deinen besseren Bildern und zeige sie stolz her. Und plötzlich hast Du sogar Geschichten zu erzählen, wie einzelne Bilder entstanden sind, und was Dir dabei passiert ist. So wie mir in den folgenden Fällen:

Weiterlesen:

https://svenbunk-fotografie.de/urlaub-im-matsch

https://svenbunk-fotografie.de/urlaub-im-matsch

https://svenbunk-fotografie.de/urlaub-fuer-die-seele

Einen Artikel, wie Du richtig fokussiert, findest Du hier:

https://journal.markusthoma.com/6-tipps-scharfe-bilder-machen-portrait-fotos/

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