Du kannst planen, so viel wie Du willst: Es kommt anders! Diese Lehre ziehe ich aus der Fotografie regelmäßig. Dieser Artikel wird keine Empfehlung in Zukunft auf das Planen zu verzichten. Im Gegenteil, denn Erfolg ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. Es ist vielmehr eine Hommage an die Geduld. Wenn es mal wieder anders kommt, als Du es geplant hast, verzweifle nicht, sondern sei Dir sicher, es wird viel besser, als Du gedacht hast. 

Tolles Bild? Aber der Weg dorthin war schwierig!

 

Das ist die Seebrücke in Sellin auf Rügen. Vielmehr ist das ein Bild davon, also eine fotografische Darstellung. Wie ich Dich kenne, hast Du das schon bemerkt. Denn hätte ich Dir wirklich die Seebrücke in Sellin über diesen Blogbeitrag senden wollen, würden jetzt mehrere Tonnen Holz und andere Materialien beim Lesen auf Deinem Schoß liegen. Das wollte ich Dir ersparen. Wenn Du sie mal live und in Farbe sehen willst, fahre doch gerne mal dorthin. Es lohnt sich! Aber bitte nicht vergessen die alte Schwarz/Weiß-Brille abzusetzen, die wir Europäer nahezu dauernd auf der Nase haben. Sonst siehst Du sie nicht in Farbe.

Lange Rede, gar keinen Sinn: Dieses Bild ist auf Umwegen entstanden. Die Umwege waren sogar so groß, dass ich fast hätte zwischendurch tanken müssen. Ich erzähle Dir die Geschichte mal von Beginn an. Es war einmal ein Paar im Paradies. Okay, so früh fangen wir vielleicht doch nicht an. Es war Donnerstag, der 08. November 2018…

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Ich habe Urlaub auf Rügen gemacht, genauer in Binz. Auf der zu diesem Zeitpunkt gefühlt einzigen Straße auf Rügen, die nicht gesperrt ist, darf man zwangsläufig an diesem See vorbeifahren und im faszinierenden Licht beobachten, wie dort wunderschön die Sonne untergeht. Für diesen Tag hatte ich also den perfekten Plan: Ich fahre zum Sonnenuntergang an diesen See und fotografiere dort am Ufer die aufbrechenden Wolken. Eine einmalige Szenerie die sich abspielte – leider nur vor meinem geistigen Auge. In der Realität sah es etwa wie folgt aus.

 

Hmmm, wie komme ich jetzt zu dem See?

 

Ich suchte mir einen Platz, an dem ich das Auto abstellen konnte. Genauer gesagt habe ich das zuvor schon ausgekundschaftet. Man fährt im Moment oft diese Straße, wenn man sich auf Rügen aufhält. Welche sonst? So wusste ich genau, wo ich parken kann um dann nur ein paar Minuten zu Fuß mit der schweren Kameraausrüstung zu spazieren. Bis hierhin lief alles perfekt. Ab da wurde es anders, als ich es geplant hatte. 

Ich schleppte mir also einen Wolf, dachte kurz darüber nach, ob es hier in der Steppe Wölfe gibt, die mich essen wollen würden, schritt weiter voran und kam ins Nirgendwo. Kein See zu sehen! Die Kartenfuntkion meines Smartphones wies mir aus, dass ich nicht mehr weit vom Ufer weg sein konnte. Also  entschied ich mich den Weg querfeldein einzuschlagen.

Ich beobachtete etwa 30 Minuten den angrenzenden Hochsitz, um sicher zu gehen, dass ein dort verirrter und verwirrter Jäger mein geschultertes Stativ nicht mit einem Hirschgeweih verwechseln und mich so kurzerhand mit einem gezielten Schuss ins Jenseits befördern würde. Um wirklich kein Risiko einzugehen hob ich ein großes Stück Laub auf und hielt es mir hoch über den Kopf, während ich wanderte. Schließlich wusste ich ausgewiesener Jagdexperte nur zu gut, dass Jäger bevorzugt versuchen ihre Beute mit einem Blattschuss zu erlegen. Mit Blättern über meinem Kopf war ich sozusagen außerhalb der Lebensgefahr. Mit Ausnahme des Wolfs, der hier bestimmt herumstreunert und sein Abendessen sucht.

 

Über diesen Acker musst Du geh`n

Ich pflügte mit dem mittlerweile herunterhängenden Stativ und den Händen über dem Kopf diesen Acker auf dem Weg zum Ufer durch und war sprachlos, was ich dort vorfand. Ich war echt sprachlos, denn ich sah das Ufer bei grauem Himmel und vor lauter Schilf kaum, welches vor mir in den Himmel zu wachsen schien. Ich begebe mich wirklich auf einige Abenteuer, um einen vernünftigen Fotospot zu finden. Aber hier war absolut nichts zu machen. Es ergab sich keine Möglichkeit die Position zu wechseln.

Hinzu kam, dass ich auch keine Zeit mehr hatte, da ja schließlich gleich die Wolkendecke aufreißen und diese überschaubar optimale Szenerie in magisches Licht tauchen würde. Aber auch das kam anders. Es passierte nämlich absolut nichts. Mir blieb nichts übrig, als meine Kamera aufzubauen, das Stativ so hoch es geht über das Schilf lugen (Norddeutsch für „kieken“) zu lassen und wenigstens, weil ich schon unter Lebensgefahr diesen schweren Weg gegangen bin, irgendein Foto zu machen. Xavier Naidoo hatte recht, als er sang „dieser Weg wird kein leichter sein“. Ich wusste nur nicht, dass er nebenberuflich auch Hellseher ist. 

Der Versuchsaufbau

So in etwa sah mein kläglicher Versuch aus. Du siehst, es war grau in grau, der Himmel hatte nur wenig Struktur, der eigentliche See lag etwa drei Tage Fußmarsch entfernt und das Schilf kitzelte mir in der Nase. Manchmal auch am Hintern, wenn ich mich umdrehte. Ich weiß, Du fragst Dich jetzt, wo ich Nase bzw. Hintern sitzen habe. Mit diesen Bildern in Deinem Kopf geht’s jetzt weiter: Links und rechts war keine Chance irgendwie an an den See heran zu kommen. Hier sollte es die einzige Möglichkeit bleiben.

Entstanden ist das Bild, das ich oben gezeigt habe. Ich musste schon all meine begrenzten Fähigkeiten in der Nachbearbeitung einsetzen, um etwas daraus zu machen. Ich war selbst überrascht, dass es geglückt ist. Als ich den Ort des Geschehens verließ und mich auf den beschwerlichen Rückweg machte, wusste ich noch nicht, dass es anders kommt, als geplant, aber am Ende sogar besser wird. Übrigens gibt`s dort nach meiner Erfahrung keine Wölfe. Und auch der Jäger hat keine Jagd auf mich gemacht. Nur der Vollständigkeit halber.

Was dann passierte

Erst mal nichts. Denn ich fuhr mit dem Auto wieder die einzig befahrbare Straße auf ganz Rügen und landete schließlich über Umwege in Sellin. Ich war jetzt schon einige Male auf Rügen, meistens in Binz. Ich verbringe gerne dort im Herbst oder Winter einen Urlaub, da zu dieser Jahreszeit dort nicht sehr viel los ist. Während in der Vorweihnachtszeit die Städte überquellen, leeren sich die Ostseeinseln. Verhext oder? Jedenfalls nutze ich das gerne aus. Weihnachten ist es dann andersrum.

Ich bin schon wieder weg vom Thema, also mal ganz schnell zurück. Schließlich möchte ich Dich als Leser hier nicht verlieren, nur weil ich zu viel sinnloses Zeug schwätze (schwäbisch für „quatschen“). Ich will Dir schließlich die Geschichte erzählen, wie das Foto von der Seebrücke zustande gekommen ist. Da bringt es nicht viel, wenn ich vom Wetter im November auf Rügen schwärme, was auch dieses Jahr (nur so nebenbei) wieder überraschend gut war. Also lasse ich das jetzt und komme endlich zurück zum Thema. Der Artikel ist nämlich als kurzer Artikel geplant und es darf schließlich nicht anders kommen, als ich es mir vorher ausgedacht habe!

Ich war also das erste Mal in Sellin an dieser Seebrücke. Ich sehe Dein überraschtes Gesicht als Rügenkundiger direkt vor mir. „Was? Die wichtigste Sehenswürdigkeit guckt der Trottel sich bei seinen zahlreichen Aufenthalten nicht an?“. Jupp (Umgangssprachlich für „Ja“). Ich bin wie Du sicher gemerkt hast lieber auf Abwegen und Umwegen unterwegs. Die „normalen“ Attraktionen stehen bei mir hinten an, so wie diese Seebrücke. Sie wurde sicher schon Millionen Male so oder so ähnlich fotografiert und bewundert. Da braucht es mich nicht zwingend auch noch dort.

Das Foto

Das Foto auf der Seebrücke musste ich unter schwierigen Bedingungen machen. Es war zwar Lehrer (Beamtendeutsch für „weniger los“) als im Sommer, aber es waren immer noch diverse Menschen unterwegs, die ich einfach nicht auf meinem Bild haben mochte. Die Lösung: Lange Belichtungszeit. Weiteres Problem: Wacklige Holzbrücke! Somit benötigte ich etwa 30 Minuten, bis ich das Bild fertig, ohne Menschen und wackelfrei im Kasten hatte.

Was ich nicht bemerkte…

… war der leicht angedeutete Regenbogen, der sich in der Zwischenzeit im Hintergrund bildete. Du musst das Bild der Seebrücke am Beginn des Beitrages schon genau betrachten, um ihn zu erkennen. Ich bemerkte ihn erst, als ich auf dem Weg zu einem zweiten Fotospot in der Nähe war. Fix (gallisch für „schnell“) kontrollierte ich das Kameradisplay, ob ich den Regenbogen mit drauf habe und stellte dieses zufrieden positiv fest.

Es kommt anders, als man denkt. Ja, absolut. Denn es ging noch weiter an diesem wundervollen Abend. Die Dämmerung war im vollen Gange und ich stellte mich kurzerhand noch mal kurz in die Ostsee, um die Seebrücke zu einem entfernten Objekt in einer Landschaftsaufnahme zu degradieren. Ich vermute, es ist für Dich nicht wichtig, wenn ich Dir sage, dass ich heute noch nasse Füße von diesem Erlebnis habe. Oder von einem anderen am Tag darauf. Wer weiß schon genau, wo die nassen Füße herkommen? Hauptsache sie sind nass. Darunter mache ich gar nichts!

Making Of

Hier kannst Du sehen, wie ich das folgende Bild gemacht habe. Überraschend mit Kamera und Stativ. Und zeitgleich habe ich mit meinem Smartphone die Kamera fotografiert. Ich kann eben Multitasking. Aber auch nur, weil ich zwischen den einzelnen Belichtungen etwas Zeit hatte. Und  bei der Belichtung muss ich zum Glück nicht mit einer Taschenlampe durch den Sensor leuchten. Moderne Kameras nutzen einfach das vorhandene Umgebungslicht. Praktisch!

Was soll mir das jetzt sagen?

Dieses Bild ist dabei entstanden. Ich erhielt also nach meinem Ausflug zum unzugänglichen See zwei tolle Bilder eines Ortes, den ich zuvor eher gemieden hatte. Fast wie geplant, würde ich sagen.

Mittlerweile bin ich wirklich entspannt, wenn sich in meinem Leben Dinge nicht mehr so entwickeln, wie ich sie geplant habe. Es mag etwas spirituell klingen, aber ich bin davon überzeugt, dass alles zu irgendwas gut ist. Sicherlich hast Du das auch schon erlebt. Wie oft hast Du Erlebnisse, die überhaupt nicht in Deine Überlegungen passten und die Du dann in diesem Moment total doof findest? Und wie oft merkst Du hinterher, dass es genau richtig so war. Du kannst Dinge, die anders kommen als geplant nicht ändern. Aber Du kannst anders mit ihnen umgehen.

Denn mal ehrlich: Dass Du Dich vorher so geärgert hast, war doch am Ende unnötig. Wie wäre es also, wenn Du mal ein bisschen Vertrauen in die Dinge investierst und gelassen bleibst, wenn es gerade mal nicht so läuft. Werde nicht handlungsunfähig und erstarre auch nicht. Lächle über die Situation, sage Dir laut, dass es schon zu etwas gut sein wird und mache weiter. Plane weiter das Unplanbare und erfreue Dich über die Dinge, die Du nicht geplant hast. Diese sind nämlich legen- (es kommt gleich) där! „Leben beginnt außerhalb der Komfortzone“ heißt es ins einer berühmten Weisheit. Die Komfortzone endet dort, wo Deine Planung aufhört. Also genieße es!

Schön, dass Du da bist!

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Fabian Ries ist ein Blogger und Coach, der auch ein tolles Buch geschrieben hat. Er beschäftigt sich in seinen noch sehr jungen Jahren mit dem Lebensglück und gibt viele hilfreiche Tipps, die insgesamt gelassener machen. Ich kann Dir seinen Blog nur wärmstens empfehlen:

https://www.fabianries.de/blog/

 

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