Heute wird es persönlich! Ich werde Dir erzählen, wie ich zur Fotografie gekommen und warum sie nicht schnell genug weglaufen konnte. Solltest Du noch nicht von diesem Hobby infiziert sein, wird sich das vielleicht am Ende des Artikels nicht geändert haben. Vielleicht aber auch doch? Selbst wenn nicht, wirst Du Dich hoffentlich dennoch ein bisschen amüsiert haben. Dies ist der erste Artikel aus einer Reihe, die Dir sehr viel über mich und meinen Weg erzählen wird. Viel Spaß mit meiner Fotobiografie!

 

Mein allererstes Bild!

„Puh“ wirst Du Dir beim Betrachten des Bildes vielleicht denken. „So schlecht kann man fotografieren?“. Sei beruhigt: Eigentlich nicht. Aber ich hatte ein großes Talent für schlechte Fotos. Es war am 23. September 2014. Ich war im wunderschönen Kärnten im Urlaub. Und wie so oft im Urlaub, hatte ich da sehr viel Zeit zum Nachdenken. Und wenn ich nachdenke, kommen meistens ziemlich blöde Ideen dabei raus. So auch an diesem Tag: „Ich werde mal ein bisschen fotografieren“ habe ich mir gedacht.

Jetzt hatte ich ein Problem. Ich wusste, dass ich überhaupt gar keine Ahnung von Fotografie hatte. Ich konnte realistisch einschätzen, dass meine mit einer schlechten Digitalkamera geknipsten Bilder sogar als Urlaubsbilder nicht taugten. Wenn ich mal Freunden nach meinen Reisen ein paar Bilder zeigen wollte, haben sie sich vorher krankgemeldet. Zur Sicherheit reichten sie mir sofort einen gelben Schein ein. Ich konnte es ihnen nicht verübeln. Wenn ich die Idee hatte mir mal wieder alte Urlaubsfotos von mir anzuschauen, habe ich mir selbst schnell etwas vorgenommen und bin tagelang nicht zurück gekommen. 

Ich übertreibe tatsächlich nicht, wenn ich Dir erzähle, dass ich bis zu diesem Datum (und wahrscheinlich noch darüber hinaus) der felsenfesten Überzeugung war, dass kein vernünftiger Mensch auf der Welt Bilder im Hochformat schießen würde. Die passen doch niemals auf den Fernseher! Mittlerweile weiß ich es besser: Man kann den Fernseher ja auch Hochkant aufstellen.

Meine erste Kamera

An diesem Tag hatte ich, wie erwähnt, die fixe Idee Fotograf zu werden. Nachdem es zum Musiker, Astronaut und Journalist nicht gereicht hat, wird sich vielleicht in diesem Kunsthandwerk was erreichen lassen. So fuhr ich spontan zu Media Markt und kaufte mir meine erste (und bis heute letzte) Spiegelreflexkamera. Ich hatte zuvor in meinem Leben schon etliche Kompaktkameras verschlissen, die nach kurzer Zeit in meinem Besitz lieber den Freitod gewählt haben. Bei jedem Kauf war ich der festen Überzeugung, dass ich das beste Gerät, das man für Geld kaufen kann, angeschafft hatte. An diesem Tag war es anders: Ich wusste, dass ich eine Maschine für Einsteiger gekauft hatte.

Für alle Technikinteressierten: Meine erste Kamera war eine Canon EOS 600D mit einem Standard-Kit-Objektiv. Ich hatte die Hoffnung, dass ein Gerät in der Einstiegsklasse länger bei mir bleiben würde, weil es wahrscheinlich von Natur aus mit schlechten Bildern rechnet. Ich hatte Glück, die Kamera lebt heute noch bei mir.

Ich fuhr also zurück ins Hotel, unboxte (Neudeutsch für „auspacken“) die Kamera und begab mich auf den Balkon. Keine Ahnung von nichts, aber in Querformat, schoss ich mein erstes Bild. Die Landschaft ist sehr schön dort. So hatte sie es eigentlich nicht verdient für mein erstes Bild Modell zu stehen. Ich kann hier getrost vorwegnehmen, dass ich genau aus diesem Grund der Landschaftsfotografie verfallen bin: Die kann einfach nicht weg!  

Die ersten Gedanken über ein Foto

Meine Fotobiografie ist das beste Beispiel, dass man nicht automatisch bessere Bilder macht, wenn man eine gute Spiegelreflexkamera in der Hand hat. Ich hatte mal was von einer „Blende“ gehört. Den Sinn einer Belichtungszeit konnte ich nur erahnen. Bei dem Wort „ISO“ dachte ich immer an jugendliche Campingausflüge und damit verbundene, ungemütliche Nächte auf hartem Untergrund. So war ich auch nach meinen ersten Gehversuchen mit der Kamera schnell auf dem Boden der Realität. Ich hatte schlicht keine Ahnung, was ich da tat.

Dennoch gab es eine Sache, die sich sofort veränderte: Ich machte mir plötzlich Gedanken über die Bilder, die ich schoss. In der Nähe des Hotels gab es einen kleinen Park, der sich nun meinen Fotoübungen unterziehen musste. Ich schaute mich genau um, was dort war und versuchte die Dinge in Szene zu setzen. Selbstredend gelang das überhaupt nicht. Aber ich war zum vielleicht 20 Mal in diesem Park, aber so hatte ich ihn noch nie wahrgenommen.

Bei diesem Bild, das am ersten Tag auch in diesem Park entstand, beobachtete ich zum Beispiel eine Zeitlang das Spiel zwischen Licht und Schatten. Ich fand es spannend, wie die hellen Sonnenstrahlen zur Mittagszeit, durch die dunklen Bäume schien.

Ich wusste natürlich viele Dinge nicht zu diesem Zeitpunkt. So konnte ich mir keinen Reim darauf machen, was mich an diesem Bild stört. Heute würde ich es natürlich ganz anders machen. Nämlich im Hochformat, klar! Nachdem ich bemerkte, dass Hochformat gar kein Verbrechen ist, habe ich zu Hause alle Fernseher Hochkant aufgestellt. Somit fotografiere ich heute nur noch Hochformat. Insgesamt macht es viel mehr Sinn beim Filmschauen im Liegen das Sechzehnzuneunaggregat aufrecht zu stellen. 

Natürlich stört mich heute auch das Haus im Hintergrund, Aber damals spielte das alles keine Rolle. Ich bemerkte sehr schnell, dass ich meine Umwelt viel bewusster wahrgenommen habe. Ich probierte noch ein paar Tage an der Kamera aus und übertrieb es nach kurzer mal wieder. Auch das liegt leider in meiner Natur. Ich konnte keinen Ausflug mehr in diesem Urlaub unternehmen, ohne überall potentielle Motive zu erspähen. So fotografierte ich nahezu alles, was vor meine Linse kam. Und was nicht freiwillig kam, „überredete“ ich. So wie eine ältere Dame, die einen Nachmittagsspaziergang genoss. Ich kann Entwarnung geben: Frauchen und Hund sind wohlauf. Und mein blaues Auge von dem Schlag mit der mit Ziegelsteinen gefüllten Handtasche tat auch nur ein paar Monate weh. 

Mein erstes „gelungenes“ Foto

Es dauerte am Ende nur ein paar Tage, bis ich die ersten aus meiner Sicht gelungenen Fotos machen konnte. Ironischerweise waren die beiden nachstehenden Bilder mehr oder weniger „Detailaufnahmen“. Ich nahm die Umwelt und die Situationen wirklich von heute auf morgen mit komplett anderen Augen wahr. Natürlich weit entfernt von dem, was man „fotografisches Auge“ nennt. Aber ich ging nicht mehr achtlos an den Details vorbei.

Diese Raupe entdeckte ich auf einem Waldboden. Ich mochte den Kontrast zwischen den dunklen Herbstfarben und der grünen Raupe. Bis zu diesem Tag dachte ich „Kontrast“ sei ein falsch geschriebenes Musikinstrument und eine Sendung im Ersten. 

Dieses Bild hat mich dann endgültig mit Fotografie infiziert. Damals deutete sich eine Art Lebenskrise an. Dieses Bild war sinnbildlich für das, was ich empfand. Zeitgleich war es das erste Motiv, bei dem mir eine Freistellung gelang, also ein Spiel mit Schärfe und Unschärfe.

Der Urlaub ging langsam zu Ende

Für meine Fotobiografie war aber gerade erst mal der Anfang geschrieben. Mit der Fotokamera zusammen, hatte ich mir ein Buch über Fotografie gekauft. Ich lerne insgesamt bis heute gerne aus Büchern. Auch die können schlecht weglaufen, auch wenn es das ein oder andere schon mal versucht hat. In diesem Buch lernte ich viel über die Belichtung und die Beherrschung der Kameratechnik. So sind selbst die ersten, kläglichen Versuche, komplett im manuellen Aufnahmemodus entstanden. Insgesamt habe ich seit dem ersten Tag nur sehr wenige Bilder in einem anderen Modus aufgenommen. Wer seine Entscheidungen über die Wirkung eines Bildes nicht der Kameratechnik überlassen will, der muss sich früher oder später mit dem manuellen Modus, der Belichtung und der Technik auseinandersetzen.

Eben das tat ich dann intensiv. Ich übertreibe nicht, wenn ich Dir erzähle, dass ich innerhalb der ersten sechs Monate mindestens ein Dutzend Bücher über Fotografie gelesen hatte. Ich verstand nicht alles und tat darüber hinaus einiges als totalen Nonsens ab, lernte aber nebenbei viel und konnte es oft kaum erwarten, das gelernte auszuprobieren. Dabei gelang mir bei weitem nicht alles. Es gelang sogar recht wenig. Oft war ich enttäuscht, zweifelte an mir selbst, wollte aufhören und hatte keinen Spaß an meinen Bildern. 

Dennoch blieb ich am Ball. Die Fotografie half mir dabei eine völlig neue Sicht auf die Welt zu bekommen. Ich nehme seit dem ersten Tag die Natur und die Umwelt viel intensiver wahr. Ich nehme auch mich und meine eigenen Befindlichkeiten anders wahr. Ich kann sogar ab und zu über mich selbst lachen. Nicht aber über die folgende, abschließende Geschichte. Die ist so peinlich, darüber solltest auch Du nicht lachen!

Jetzt wird es peinlich

Bevor der Aufschrei kommt: Ja, dieses Bild habe ich mit der Zeitautomatik aufgenommen. Tatsächlich benutze ich dieses Programm häufiger bei bewegten Motiven. Aber darum soll es in meiner kleinen Anekdote nicht gehen. Ich war auf Usedom und wollte ein bisschen am Strand fotografieren. Ich entdeckte sofort diesen schönen Schwan, der sich gewissenhaft putzte. „Was für ein tolles Motiv“ dachte ich mir und positionierte mich in sicherer Distanz mit meinem Teleobjektiv. Der Schwan bemerkte nichts und frönte weiter seiner Körperpflege. Wie so oft war auch hier das fertige Bild bereits in meinem Kopf.

Der Schwan würde irgendwann aufhören sich zu putzen. Irgendwann musste ja sein Duschbad auch mal zuneige gehen. Er würde direkt die Kamera und mich bemerken, der ich ein paar Meter von der Kamera entfernt mit einer Auslösefernbedienung auf diesen Moment lauerte. Eine Sekunde seiner Irritation würde er starr direkt in die Kamera blicken und mir damit einen unvergleichlichen Moment bescheren, den ich nun in aller Unendlichkeit in Form eines Bildes festgehalten hätte. 

Und es passierte genau das! Der Moment war perfekt. Ich drückte den Auslöser genau im richtigen Moment und war unglaublich stolz auf dieses magische Bild, das ich jetzt bekommen hätte. Ich denke, der Schwan fotografierte meinen verdutzten Gesichtsausdruck (oder wird ihn jedenfalls nie Vergessen haben) als ich das Bild betrachtete.

Ich hatte nicht daran gedacht, dass ein Schwan einen echt langen Hals hat. Er richtete sich auf, schaute irritiert direkt in die Kamera und gab ein schönes Motiv ab. Leider lag das alles außerhalb meines Bildausschnittes, so dass ich lediglich Körper und Hals auf das Bild bekam. Ich würde Dir das Bild gerne heute zeigen. Leider habe ich es nicht mehr, so dass Du mit meinen Erläuterungen vorlieb nehmen musst. Stell Dir einfach vor, wie der Schwan sich vor Lachen in der Ostsee krümmte und suhlte. Ich versank derweil im Boden vor Scham über mich selbst. Auch das gehört zu meiner Fotobiografie.

Was Dich in späteren Artikeln erwartet

Am Anfang kündigte ich Dir an, dass dieses eine Artikelreihe wird. Eine komplette Fotobiografie erzählt sich nicht in drei Sätzen. Bevor ich Dir also erzählen werde, warum ich heute die Bilder mache, die ich mache, werde ich Dir einen Einblick darüber geben, wie mich die Landschaftsfotografie in ihren Bann gehalten hat. Dazu war eine Phase des Ausprobierens unvermeidlich. 

Schau Du doch bis dahin mal Deine Umwelt mit etwas anderen Augen an. Nimm Details wahr und versuche Dir vorzustellen, was diese Details vielleicht für schöne Motive abgeben könnten. Und wie so oft ist es mit dieser Beschäftigung so, dass Du keine Sorgen in jeden Momenten haben wirst. Keine Ängste, die Dich in Deiner Welt belasten und keine schlechten Emotionen, die Dich regungslos handlungsunfähig machen. Schau Dich um, es gibt so so schöne Dinge und Wunder! Überall!

Schon, dass Du hier bist!

Weiterlesen

Hier kannst Du zwei unterhaltsame Artikel lesen:

https://svenbunk-fotografie.de/es-kommt-anders

https://svenbunk-fotografie.de/in-der-ostsee

Und meinen bisher beliebtesten Artikel:

https://svenbunk-fotografie.de/das-macht-man-aber-nicht

Tolle Tipps zur Fotografie im Allgemeinen habe ich mir zu Beginn oft von Benjamin Jaworskyj geholt. Schau mal auf seinem Youtube-Channel vorbei. Es macht sehr viel Spaß!

Youtube-Channel von Benjamin Jaworskyj

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