In meinem ersten Beitrag zu meiner Fotobiografie habe ich Dir erzählt, wie ich zur Fotografie gekommen bin. Nachdem ich meine erste Kamera gekauft, viele Bücher gelesen und Stunde um Stunde mit meinem neuen Hobby verbracht hatte, folgte eine Phase der Orientierung mit einigen Fehlschlägen, bevor ich endgültig bei der Landschaftsfotografie landete. Heute werde ich Dir davon erzählen. Viel Spaß!

Meine ersten Versuche der Landschaftsfotografie waren wirklich nicht sehr gelungen, wie Du hier siehst. Die Orientierung und Übung war also durchaus notwendig!

Was mache ich denn jetzt? 

Es gibt eine fotografische Weisheit, die ich schon mal zitiert habe: „Der Amateur kümmert sich um die Ausrüstung, der Profi um das Geld, der Meister um das Licht“. Ich kann Dir sagen: Ich war die Ausgeburt des Amateurs. Obwohl: Folgt man der Definition eines Amateurs, hätte ich ja schon gewisses Know-How haben müssen. Nach meinen ersten Versuchen kann ich getrost sagen: Know-How hatte ich theoretisch, aber in der Praxis hat es einen großen Bogen um mich gemacht.

Ich war also nicht mal Amateur, sondern einfach ein Knipser mit Büchern und viel Kameraausrüstung. Die fotografische Vorliebe wollte von mir entdeckt werden. Naja, sagen wir mal, ich wollte sie entdecken. Gefühlt machte auch diese einen großen Bogen um mich. Wenn ich diese Zeilen so schreibe, fällt mir auf, dass viele Dinge einen großen Bogen um mich gemacht haben. Heute bin ich froh, dass ich mich davon nie haben beeindrucken lassen.

Die Ausrüstung

Glasklar war nur, ich brauche alles an Ausrüstung, was es gibt. Ich kaufte mir ein Stativ, einen entfesselten Blitz, Funkfernbedienungen, noch ein Stativ, Objektive, Filter, Objektive, noch ein Stativ (die ersten beiden hatte ich kaputt gemacht) usw. Ich schob Überstunden auf der Arbeit, um mir das alles leisten zu können. So viele, dass mir nicht auffiel, dass ich gar nicht mehr zum Fotografieren kam. Und dann wurde ich endlich vernünftig! Ich tauschte meine Kamera gegen eine bessere! Was dann passierte, wird Dich sicherlich überraschen.

Ich kaufte mir ein Stativ, einen entfesselten Blitz, Funkfern… Du weißt schon. Hat man sich als Fotograf einmal auf ein Kamerasystem festgelegt, ist es sehr kostenaufwändig dieses zu wechseln. Das hielt mich nicht davon ab, denn ich hatte noch zwei freie Tage im Monat, die ich mit Überstunden belegen konnte. Fotografieren ist echt überbewertet, wenn man erst mal die richtige Ausrüstung hat. Ab und zu machte ich auf dem Weg zur Arbeit mal Halt und fotografierte mit meinem Handy. Klar, wer will das ganze Zeug schon mitschleppen? Ich bestimmt nicht!

Die Testphase

Als die meisten Gläubiger abgewimmelt waren und die neue, sowie die alte Kameraausrüstung endgültig mir gehörte, kam ich zwischendurch auch mal wieder zu meinem Lieblingshobby. Ich hatte alles, was ich brauchte, nur nicht den Hauch einer Idee, was ich fotografieren sollte. Also entschloss ich mich dazu einfach alles zu fotografieren. Dazu brauchte ich natürlich noch mehr Ausrüstung. Also kaufte ich mir Studioblitze, die ich in meiner kleinen Wohnung nirgends vernünftig aufstellen konnte, mehr Speicherkarten, ein Stativ, ein Objektiv, Punkt, Punkt, Punkt. Neben der Arbeit dokumentierte ich meine Ausrüstung wunderbar mit meinem Handy. Ich hatte alles, nur keine Zeit, kein Geld und keine Fotos.

Ich gebe zu, ich übertreibe ein wenig. Aber im Prinzip ist das wohl der typische Weg eines Hobbyfotografen. Ich denke, ich kann behaupten, dass viele auch nach Jahren nicht von diesem Ausrüstungswahn abspringen. Beileibe müssen das keine schlechten Fotografen sein. Ich für meinen Teil aber habe beschlossen mich auf wesentlichere Punkte zu beschränken. Licht, Fotografisches Auge, Motiv, Komposition. Die Ausrüstung ermächtigt mich lediglich dieses in einem Bild festzuhalten – nicht mehr, und nicht weniger.

Wenn ich doch mal Zeit fand…

… fotografierte ich wirklich viele Dinge. Ich versuchte mich in der Objektfotografie und veröffentliche sogar ein paar Bilder bei einer Stockagentur. Das „Kaffeebild“ entstand zum Beispiel in meinem neu eingerichteten Miniatur-Fotostudio. Insgesamt war das ein durchschlagender Erfolg, der mich fast zum Millionär gemacht hätte. Ich verkaufte genau ein Bild bei Fotolia. Der Ertrag lag leider bei knapp unter einer Million Euro, nämlich exakt 8 Cent. Ich hätte mir gerne vom Umsatz einen grünen Weingummi-Frosch im Tante-Emma-Laden gekauft. Leider konnte man bei der Stockfoto-Agentur erst Beträge ab 10 Euro auszahlen lassen. Ich war also traurig und widmete mich vielversprechenderen Genres: Nun der Street-Fotografie.

 

Die Street-Fotografie hielt ich zu Beginn für die Ablichtung von Straßen. So entstand zum Beispiel dieses Bild. Erst später fiel mir auf, dass es wohl eher das Fotografieren auf der Straße sein sollte. Genaugenommen handelt es sich hierbei um das Ablichten von Menschen in natürlichen Situationen auf der Straße. Ich machte einige Bilder, die ich heute noch sehr mag. Leider kann ich dies niemandem zeigen, weil mir die Menschen, die ich heimlich fotografierte anschließend die komplette Ausrüstung zu Klump gehauen haben. So kaufte ich ein Stativ, einen entfesselten Blitz..

Dieses Bild ist nach einem langen Winter, am ersten schönen Tag des Jahres im Februar entstanden. Kannst Du den Genuss dieses Menschen fühlen, nachdem er wahrscheinlich lange nicht trainieren konnte? Leider musste ich für die Veröffentlichung sein Gesicht unkenntlich machen, was den Gesamteindruck des Bildes trübt.

Der Weg in die Landschaftsfotografie

Unmittelbar nach meinen Krankenhausaufenthalten begann ich wieder zu fotografieren. Ich versuchte mich nun an Dingen, die nicht zuschlagen konnten. Ich kam nicht an der Landschaft vorbei. Wie denn auch? Man muss ja durch sie durch. Ich bemerkte beim Durchqueren, wie sich die Landschaften im unterschiedlichen Licht verändern und begann sie im Bild festzuhalten. Selbstredend mit dem Handy, wer schleppt schon die komplette Ausrüstung mit? Dennoch wusste ich dann irgendwann glasklar, dass diese Art der Fotografie mich für immer fesseln würde.

Hast Du Dich schon mal in eine Landschaft gestellt, die Du sehr gut kennst, und hast einfach ein paar Stunden beobachtet, was passiert? Du kannst einen meditativen Zustand erreichen. Und Du wirst auch beim zwölften Mal noch Dinge erkennen, die Du vorher noch nie wahrgenommen hast. Das ist das Wesen der Landschaftsfotografie. Du wirst Eins mit der Natur. Deine Kamera wird plötzlich zum Mittel zum Zweck, weil Du den wunderschönen Tieren, Pflanzen, Bergen, Gewässern, dem Licht und so weiter viel mehr Aufmerksamkeit schenkst, als Deiner Ausrüstung. Du siehst die Welt buchstäblich in anderem Licht.

Finde das Wesen der Landschaft und fotografiere sie, wie Du sie siehst

Jede Landschaft hat ihr eigenes Wesen. Und das ist untrennbar mit Deiner Wahrnehmung verbunden. Die größte Aufgabe eines Landfschaftsfotografen ist es, genau dieses Wesen zu erkennen und mit seinen Emotionen zu verbinden. Bei jedem Foto (egal welches), triffst Du für Dich hunderte Entscheidungen. Glaubst Du nicht? Pass auf!

Du entscheidest Dich für Hoch- oder Querformat, für die Uhrzeit, für das Licht, für den Winkel, für den Bildausschnitt, für die Brennweite (den Zoom), für die Distanz zum Objekt, für den Vordergrund, für den Mittelgrund, für den Hintergrund, für die Nachbearbeitung… Ich könnte ewig so weiter schreiben. Der Unterschied zwischen Fotografie und Knipserei ist nur Dein Bewusstsein! Wenn Du Dir klarmachen willst, was Du fotografierst und auf welche Weise und wann mit welchem Licht, dann beginnst Du zu fotografieren. Und dann beginnst Du die Welt mit anderen Augen zu sehen. Das ist Fotografie!

 

Fotografie kostet keine Zeit, aber sie dauert

 Oft wird davon gesprochen, dass Fotografie Zeit kostet. Was für ein Quatsch! Zeit ist kostbar, ja. Aber Zeit ist auch gerecht. Wir alle haben exakt gleich viel Zeit pro Tag, um das beste daraus zu machen. Eine Situation dokumentieren kannst Du, in dem Du irgendein Aufnahmegerät auf irgendeine Szenerie lenkst und abdrückst. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit der Kunstform „Fotografie“ zu tun.

Fotografie bedeutet, in einer Szene aufzugehen, sogar stiller Beobachter und damit Teil einer Szenerie zu sein. Finde die Emotion, die die Szene beschreibt und treffe Deine Entscheidungen zum Foto bewusst. Das dauert, ja. Aber es kostet Dich keine Zeit, denn mir fällt keine bessere Beschäftigung ein für diesen einen Moment. Ich kann das sehr genießen. Und das beste ist: Auch nach Jahren kann ich mir diese Emotionen beim Betrachten der Bilder nachträglich wieder hervorholen. Sie sind wahrscheinlich länger dort gespeichert, als die meisten anderen Momente, die nur so an mir vorbei rauschen.

Lebe bewusster, sei mehr im Moment und genieße die Zeit, die Du hast. Das klingt so schwer und ist doch so einfach: Schnappe Dir Dein Handy oder Deine Kamera und nehme einfach das nächste Foto, das Du damit machst, bewusster auf. Mache Dir die Entscheidungen, die Du dafür treffen musst, bewusst. Das geht bei jedem einzelnen Bild der Welt, selbst wenn Du nur ein Dokument fotografierst. Und beobachte, was mit Dir und dem Bild passiert. Probiere es aus!

Schön, dass Du hier bist!

 

Weiterlesen

Lies hier den ersten Teil meiner Fotobiografie:

https://svenbunk-fotografie.de/fotobiografie

Hier geht’s zu den Artikeln der letzten Woche:

https://svenbunk-fotografie.de/die-rolle-des-lichts

https://svenbunk-fotografie.de/traue-dich-mal-was

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