Im ersten Teil meiner Fotobiografie habe ich Dir erzählt, wie ich es überhaupt geschafft habe, eine Kamera richtig zu halten. Hier kannst Du das noch mal nachlesen:

Fotobiografie – Teil I

Im zweiten Teil erzählte ich Dir davon, welche Umwege ich gehen musste, bis ich endgültig zur Landschafts- und Naturfotografie gefunden hatte. Das findest Du hier:

Fotobiografie – Teil II

Auch wenn ich jetzt wusste, was ich machen wollte: Bis ich in der Lage war Fotos wie dieses zu bekommen, war es noch ein weiter weg. Davon werde ich Dir heute im letzten Teil der Reihe berichten. Viel Spaß!

Was ich nun hatte und was ich immer noch nicht konnte

 

Ich hatte nun alles, was ich brauchte. Die für mich perfekte Ausrüstung für alle Fälle und eine Idee, was ich fotografieren wollte. Was mir noch komplett fehlte, war eine Vorstellung davon, wie ich es schaffen sollte, einigermaßen verlässlich vernünftige Fotos zu bekommen. Da probierte ich weiter sehr viel aus.

Ich wusste, ich benötige eine Art Workflow für meine Ausflüge. Was ich so für Kurz- und Langtrips machte, werde ich Dir später berichten. Als aller erstes begann ich mich mittels Büchern und Youtube-Videos schlau zu lesen bzw. zu schauen. Ich wollte herausfinden, welche Arten der Vorbereitung oder Nichtvorbereitungen es überhaupt gibt. Schließlich muss ich ja die Welt nicht neu erfinden. So kopierte ich anfangs die Herangehensweise einiger meiner Lieblingsfotografen, die bereits großen Erfolg hatten und bis heute haben. Das waren zum Beispiel Benjamin Jaworskyj und Calvin Hollywood

Ich saß also ab und zu vor meinen Kurzreisen stundenlang zu Hause und plante alles akribisch. Natürlich zunächst immer erst das Wichtigste: Bei welchem McDonalds würde ich wann Pause machen, um auch entsprechend gestärkt zu sein. Aber ich plante auch die Fotospots und die Uhrzeit, an denen ich dort sein wollte. Sogar den Sonnenstand zur betreffenden Zeit überließ ich nicht dem Zufall. Dafür gibt es tolle Apps wie Sun Surveyeor. Wenn mir die erwartete Szenerie nicht  gefiel, veränderte ich den Sonnenverlauf und Sonnenaufgang im Vorfeld mittels transzendentaler Sonnenstand-Veränderungstechnik. Aber Vorsicht: Der Ungeübte verliert hier schnell die Geduld. Und wenn zu viel übersinnliche Mächte im Spiel sind, kann es vorkommen, dass die Sonne vom Himmel fällt. Aber keine Sorge, mir ist das bisher nur dreimal passiert. 

Geduld – eine Tugend, wenn man sie besitzt

Ich habe eher wenig Geduld. So hörte ich schnell auf mit der akrikibischen Planung und fuhr einfach drauf los. Auch hier suchte ich im Internet nach Fotografen, die es ähnlich machen. Wenn man im World Wide Web nach etwas sucht, dann findet man das auch. Egal, welche konträren Pole man gerade zu finden hofft. Das ist das Schöne am Internet: Jeder hat jederzeit recht, je nachdem auf welcher Seite man seine Informationen bezogen hat. So verließ ich mich von nun an lieber auf mein nicht vorhandenes fotografisches Auge und konnte tatsächlich oft Bilder wie dieses hier ganz ohne Probleme erstellen:

Für viele ist das nur ein einfaches Schild in der Landschaft. Ich aber habe mit meinem unglaublichen Talent vor Ort und komplett ohne Planung sofort erkannt, hier liegt mehr drin. Die Verbindung des Vogels auf dem grünen Schild, die sich im Hintergdund wiederholenden Farben und der Weg aus Stein! 

Die Bedeutung ist auch für den Laien unverkennbar: Die Symbiose aus dem Vogel mit  dem menschengemachten Weg stellt eine Anklage an die zerstörerische Wut der Menschheit dar. Ich denke, dieses Foto müsste bei jedem Wettbewerb prämiert werden. Wenn ich als Fotograf dafür nicht mit dem Friedensnobelpreis bedacht werde, verstehe ich die Welt nicht mehr. Aber gut, das wird mit Sicherheit noch kommen. Der ist ja gerade ausgesetzt. Ich setze meine Hoffnung in das nächste Jahr!

Ich gebe zu, Du hast recht!

Wenn Du jetzt gedacht hast, der Typ spinnt doch: Jupp, absolut. Aber bei dieser Qualität der Bilder versucht man sich vieles schön zu reden. So fotografierte ich zumindest weiter. Langsam wurde ich geübter in meiner Nichtplanung. So gelangen mir mit der Zeit immer öfter immer bessere Bilder. Dieses hier sollte meine These eindrucksvoll belegen:

Dieses Foto nenne ich „Ort durch Wald“ und stelle damit offensichtlich den vernebelten Blick der Menschheit auf die Realität dar . Es ist eine Anprangerung des Drogenkonsums und ein Apel an alle Menschen sich von ebendiesem konsequent abzuwenden. Ich werde der erste Mensch, der den Friedensnobelpreis gleich zweimal in einem Jahr gewinnen wird.  Ich hoffe auf eine angemessene Laudatio von Barack Obama.

Vielleicht erschließt sich dem Betrachter die Aussage des Bildes nicht sofort. Aber ich denke, es wird jedem klar sein, dass ich beim Aufnehmen des Fotos nicht ganz bei Sinnen gewesen sein kann. Was habe ich mir dabei gedacht? Ich weiß es heute nicht mehr. Mit Sicherheit kann ich nur sagen, dass ich nicht unter Drogen gestanden habe. Ob ich mir kurz zuvor im Gehölz den Kopf angestoßen habe, weiß ich allerdings nicht mehr. Der Selbstschutzmechanismus meines Gehinrs funktioniert offensichtlich jedoch einwandfrei.

Langsam wird alles besser

Du siehst also, Talent ist nicht alles. Ich bezweifle sogar oft, dass ich überhaupt welches besitze. Du benötigst zudem auch Übung, Durchhaltevermögen und eine große Prise Unvernunft. Vielleicht geht es auch nur mir so, aber meines Erachtens passt die bekannte, fotografische Weisheit „die ersten 10.000 Bilder sind Deine schlechtesten“ sehr gut. Ich erfuhr zu spät von dieser Wahrheit. Sonst hätte ich natürlich gleich zu Beginn meiner fotografischen Tätigkeit meine Kamera auf „Serienbild“ eingestellt und sie 10.000 Mal ohne Motiv auslösen lassen. Dann hätte ich gleich Bilder wie dieses zustande gebracht und die vielen Fehlschläge ohne Umwege hinter mich gebracht. 

Heute weiß ich, dass der Weg das Ziel war. Bei allen Rückschlägen und dem vielen Frust, wäre ich heute nicht der Fotograf, vielleicht sogar nicht der Mensch, der ich bin, wenn es nicht genauso gewesen wäre. Durch diese Erfahrungen beherrschte ich relativ schnell meine Kamera wie im Schlaf. Ich lernte viel über mich selbst und über das Leben. Mit Fug und Recht kann ich behaupten, ich bin durch die Fotografie ein glücklicherer Mensch geworden.

Das wichtigste für mich ist…

… mittlerweile und aus voller Überzeugung, der Weg an sich. Egal, ob es um Fotografie geht oder um etwas anderes im Leben. Zeit ist nur kostbar, wenn wir sie mit Dingen verbingen, die wir eigentlich gar nicht machen möchten. Wenn wir uns aber ein Ziel setzen und die Dinge tun, die nötig sind, um das Ziel zu erreichen, dann können wir schon gar keine Zeit mehr verschwenden. Der Weg ist also mit der Zielsetzung untrennbar verbunden. Genieße also jeden Moment auf dem Weg, auch wenn das Ziel manchmal sehr weit weg scheint.

Heute erstelle ich mühelos solche Fotos. Ich bilde mir ein, dass man die Emotion darin spüren kann, wenn man sich darauf einlässt. Ich glaube an mich und meine Fähigkeiten, zumindest meistens. Und mehr als einmal habe ich stark daran gezweifelt. Auch der Weg zur Selbsterkenntnis ist ein lohnenswerter. Auch hier gilt, dass nicht alles sofort und von alleine einfach da ist. Nur wer seinen Weg ernsthaft sucht, kann ihn auch finden. 

Mein heutiger Wokflow

Mittlerweile erstelle ich Bilder auf eine sehr einfache Art und Weise. Ich versuche niemanden mehr zu kopieren und ich ärgere mich nicht mehr über Dinge, die anders kommen als geplant. Ich mache einfach, worauf ich Lust habe. Ab und zu schaue ich mir im Vorfeld einen Fotospot an, manchmal auch nicht. Manchmal mache ich einen ausgedehnten Ausflug, manchmal bleibe ich einfach vor der Haustür. Und manchmal fotografiere ich sogar gar nicht, wenn ich nicht möchte. Das ist der Vorteil eines Hobbyfotografen. Ich muss nichts tun, was ich nicht möchte. 

Wenn ich meinen Workflow also in einem Wort zusammenfassen müsste, würde es in etwa so lauten: Individuell. Wer echte Emotionen in einem Bild rüberbringen möchte, für den ist ein Zuviel an Planung nicht immer gut. Wer allerdings gar nicht plant, ist vielleicht zur falschen Zeit am richtigen Ort. Ich habe gemerkt, egal was ich tue: Ich habe sowieso immer Glück. Denn wenn Du mal ehrlich bist: Welcher Moment sollte perfekt sein, wenn nicht genau dieser? Willst Du Dein Leben lang darauf warten, dass irgendetwas passiert, das alles besser macht?

Unter der Woche wartest Du auf das Wochenende, am Wochenende ärgerst Du Dich schon, dass bald Montag ist. So fieberst Du auf Deinen nächsten Urlaub hin, der noch viel zu lange weg ist. Ist er endlich erreicht, beschäftigst Du Dich damit, dass Du nicht wieder zur Arbeit willst. Aber wenn Du erst mal in Rente bist und die Kinder aus dem Haus, wird ja eh alles besser. Dann kannst Du endlich anfangen zu leben. Ich sage Dir: Wenn Du nur auf morgen wartest, wirst Du irgendwann mit einem großen Schock feststellen, dass es zu spät ist und Du nicht gelebt hast. Also nimm jeden Moment gelassen, so wie er kommt und sei Dir bewusst: Es ist der einzige Moment, der wichtig ist und der einzige Moment, den Du wirklich hast. Und so ist er immer perfekt! 

Ich wollte ja noch von meinen Ausflügen erzählen

Stimmt. Aber ich möchte  den letzten Absatz gerne so stehen lassen und hoffe, dass ich Dich ein bisschen zum Nachdenken anrege. Lies doch einfach meine bisherigen Artikel zu meinen legendären Ausflügen:

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