In meinem letzten Artikel „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ habe ich Dir beschrieben, wie ich letztens in der Ostsee stand und die Seebrücke in Sellin auf Rügen fotografierte. Da kam alles anders, als ich es geplant hatte. Aber es wurde letztendlich besser, als ich es mit erträumt hatte. Heute beschreibe ich Dir den zweiten Teil von „Fotografie in der Ostsee“. Diese Geschichte ist wenige Tage danach so passiert und zeigt mir, dass zum Glück im Leben auch mal Unvermögen und Glück gehört.

Was mir das Bild bedeutet

Ich zeige Dir heute bewusst nur zwei Bilder. Und glaube mir, das ist nicht nur Faulheit. Also eigentlich nur ein bisschen. Okay, etwas Faulheit schon, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Gut, Du hast mich erwischt: Ich bin faul. Zufrieden? Im Ernst: Ich mag die beiden Bilder unheimlich gerne, so dass ich es für unangemessen halte weitere Bilder zu zeigen. Schaue Dir gerne diese Bilder etwas länger an und entscheide selbst, wie sie auf Dich wirken.

Für mich zumindest ist gerade dieses Bild eines der schönsten, die ich je machen durfte. Ich spreche hier wirklich von „dürfen“, denn diesen Moment zu erleben, ist sicherlich ein Geschenk gewesen. Von daher bedeutet mir das Bild sehr viel. Aber um dorthin zu gelangen, waren wieder einmal viele Umwege nötig, die für mich ziemlich „typisch“ sind.

Am Ende der Geschichte wirst Du Dich vielleicht fragen, ob die Umwege wirklich notwendig gewesen sind. Ich sage Dir: Das waren sie! Denn wäre wäre Fahrradkette (frei nach Loddar Maddäus). Was wäre passiert, wenn ich auf direktem Wege mein Ziel erreicht hätte? Es wäre nicht so schön gewesen und würde sich anders anfühlen. Und wer weiß, vielleicht hätte ich dieses Foto niemals machen dürfen.

Ich beginne von Beginn an – Wo sonst?

Am 15. November 2018, während meines Urlaubes auf Rügen, wollte ich zum Abschluss noch mal ein bisschen fotografieren. Die Wettervorhersage war vielversprechend, die Sonne wird heute so aufgehen, wie ich es mir immer ausgemalt habe und ich (ICH) werde dabei sein. So oder so ähnlich dachte ich bestimmt nicht, als der Wecker um kurz vor sechs klingelte und ich kurz darauf die Ferienwohnung verließ. 

Ich fragte mich eher, warum ich mir das wieder antue, wenn doch am Ende eh nichts dabei rauskommen würde. Früh aufstehen, draußen kalt, bestimmt Wolken, viel Verkehr. Ich hatte unzählige Ausreden parat mich doch noch mal im Bett umzudrehen. Sogar meinem Auto war es zu früh. Ich bin heute fest davon überzeugt, dass ich mir sein Gejaule beim Motorstart nicht eingebildet habe. Sie haben eben Seelen – die kleinen Dinger. Und die Seele meines Autos schläft gerne aus. Aber es gelang mir letztendlich mein Auto und mich selbst zu überzeugen, dass dieser Morgen legendär würde.

Schließlich hatte ich mir am Abend zuvor, als ich noch mehr motiviert war, den Plan meines Lebens für diesen einzigartigen Tag geschmiedet. Ich fahre nach Göhren in den Südostteil der Insel. Dort befindet sich eine kleine Landzunge, die exakt nach Osten und hinaus aufs Meer zeigt. Von dort werde ich den perfekten Blick auf den Sonnenaufgang haben. Dazu befindet sich dort ein Steinstrand, wie ich diesem Artikel von Ruegenmagic.de entnehmen konnte. Der perfekte Fotospot also. Bis hin zum Parkplatz hatte ich alles entsprechend ausgiebig und perfekt geplant.

Die Überraschung vor Ort war groß

Ich fand meinen designierten Parkplatz ohne Probleme. So weit so gut. Ich bepackte mich wieder wie ein Wüstenschiff mit meiner Ausrüstung und nahm extra das schwere und damit stabile Stativ mit. Schließlich hatte ich nur etwa einen 15-minütigen Fußmarsch bei stockdunklen Bedingungen durch den Wald vor mir, bevor ich zum geplanten Ort meiner Wahl kam. Kein Problem also. Ich suchte verzweifelt während des Gehens nach meiner Taschenlampe, fand sie natürlich nicht und tastete mich ohne sie voran. Dabei holperte ich höchstens 35 Mal über nicht bemerkte Baumwurzeln. Eine gute Übung für meinen Gleichgewichtssinn, der fehlerfrei und innerhalb normaler Parameter funktionierte. Ich blieb auf den Beinen!

Ich ging schnellen Schrittes, denn erfahrungsgemäß wartet der Sonnenaufgang nicht auf mich. Fragt mich nicht, warum, ich find`s auch nicht okay. Aber so ist es mit den Naturgewalten. Außer Chuck Norris machste da nix. Und zusätzlich musste ich ja auch noch in die Ostsee steigen, das kostet Zeit. Alles war perfekt geplant, nur eine Sache nicht.

Es kam schon wieder anders!

Als ich mich mit meinem Schweizer Macheten-Taschenmesser und ohne Taschenlampe so durch das Unterholz des gut ausgebauten Wanderweges schlug, so langsam die blaue Stunde dämmerte und ich anfing zu erkennen, wo ich hintrat, erkannte ich mit meiner unglaublichen Auffassungsgabe, dass ich mich auf dem Kamm einer Steilküste befand. Meine Überraschung war groß, das hatte selbst ich nicht kommen sehen. Ich suchte also von nun an fortan nach einem Abstieg zum Strand und – wer hätte das gedacht- fand keinen. Doch, einer war dort. Aber der war aufgrund von Absturzgefahr aus Sicherheitsgrünen gesperrt. Nun mache ich viel Unfug und begehe viele Abenteuer. Aber mein Leben riskiere ich für ein schönes Bild nicht. So gab es auch nach einer 45-minütigen Suche im Wald (also quasi die Viertelstunde der Deutschen Bahn) keine Möglichkeit an den Strand zu kommen. Dieses Mal baute ich also nicht auf Sand, sondern gleich auf einer ganzen, brüchigen Steilküste aus Kreide. 

Enttäuschung mal wieder groß, Rückzug geordnet

Ich konnte mich also gar nicht, auch wenn ich es gewollte hätte, in die Ostsee stellen um Fotos zu machen. Ich ging mit meiner schweren Last zurück zum Auto und machte mir Pläne, wo ich denn jetzt frühstücken könnte. Außerdem hatte ich noch die Kameraausrüstung dabei. Ein Bild wird heute sicherlich nicht mehr entstehen. Dann soll wenigstens der Magen gut gefüllt sein. Also folgte eine kurze Internetrecherche mittels Smartphone, bis ein geeignetes Plätzchen inklusive Wegbeschreibung gefunden war. Ich fuhr los und erinnere mich genau, dass ich dachte, das kann es eigentlich jetzt noch nicht gewesen sein. Eigentlich passiert doch an dieser Stelle immer irgendwas. 

Oscar Wilde sagte (oder schrieb – er konnte laut seines Biografen beides ganz gut) einmal: „Ich glaube nicht an Wunder. Ich habe ihrer zu viele gesehen“. Und tatsächlich. Es passierte ein Wunder. Mein Magen knurrte – und wie! Ich vermute, ich weckte damit die halbe Stadt auf, denn zeitgleich zogen sich mehrere Rolläden wie in einer Choreografie geprobt auf. Aber das war noch nicht alles: Ich fuhr gerade 100 Meter weg von meinem ursprünglichen Parkplatz und entdeckte ihn: Wo heute morgen noch alles im Dunkeln lag, war jetzt ein Abgang zum wunderschönen Strand sichtbar. Ehrlich gesagt würde ich wetten, dass er eine Stunde zuvor noch nicht dort war. Es muss das besagte Wunder gewesen sein! 

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

… hieß schon mein letzter Artikel. Ich könnte diesen hier genauso nennen. Ich stellte also kurzerhand das Auto wieder auf den wenige Sekunden zuvor verlassenen Parkplatz ab und rannte, so schnell ich kann, den Abgang zum Strand hinab. Es waren noch etwa 5 Minuten bis zum Sonnenaufgang, ich hatte also nur noch wenig Zeit. Somit hatte ich auch keine Möglichkeit mehr zu überlegen, ob ich mich nun mit oder ohne Schuhe in die Ostsee stellen sollte. Ich sprintete wie ich war hinein, elfengleich wie David Hasselhoff zu seinen besten Zeiten bei Baywatch, in die Ostsee. Ich hatte nur keine rote Boje, dafür eine Kamera und ein 13 Tonnenschweres Stativ. Ich bildete mir natürlich auch die Musik ein, die immer eingespielt wurde, wenn ein Rettungsschwimmer aus Malibu sich aufmachte eine in Not geratene Person zu retten. Selbstredend, dass alles in Zeitlupe ablief.

Nach meiner Aktion, die mit Sicherheit in etwas so sexy aussah wie ein Stück Toastbrot mit Hackepeter, stellte ich fest: Die Ostsee im November ist nicht nur kalt, sonder auch überraschend nass. Aber ich konnte so das Bild vom Anfang des Beitrages aufnehmen. Und noch mehr: Ich rannte ein paar Mal zurück zu meinen übrigen Ausrüstungsgegenständen am Strand und konnte fast zeitgleich auch noch das folgende Foto machen.

Sorry, das Bild meinte ich nicht..

denn da war es wirklich kalt. Saukalt! Hier kannst Du das nachlesen: Urlaub für die Seele. Mist, jetzt hat sich doch ein drittes Bild in den Beitrag gemogelt. Das wollte ich um jeden Preis verhindern. Schade, dass ich das jetzt nicht mehr ändern kann. Ich wollte Dir folgendes Bild zeigen:

Um sich das auf der Zunge zergehen zum lassen

Ich hatte alles perfekt geplant und irrte aufgrund meines Irttums mit der Steilküste völlig unnötig durch den dunklen Wald, gefahrlaufend von wilden Bären (die auf Rügen bekanntlich zuhauf unterwegs sind) gefressen zu werden. Mit meinem etwa 84,23 Tonnen schweren Stativ hätte der Bär auch gleich einen passenden Zahnstocher mitgeliefert bekommen. Praktisch! Und all das völlig kostenlos. Eigentlich würde ich hier „umsonst“ schreiben, aber es kostete mich eine Menge Atem. Davon habe ich nicht so viel! Und wenn, dann ist der Atem auch eher kurz. Die Lösung meines Irrweges lag aber direkt vor meinen Augen, ich habe sie nur nicht gesehen. Und am Ende wurde es besser, als ich es mir jemals erträumt hätte.

Ich möchte hier noch ein Zitat bemühen: Albert Einstein sagte mal: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“. Was hat das mit meiner Geschichte zu tun, wirst Du Dich zu recht fragen. Abgesehen von meiner eigenen Blödheit gar nichts. Aber ich mag das Zitat. Also weiter im Text!

Was Du daraus lernen kannst

Fällt Dir was auf? Genau! Das gleiche wie ich an diesem Tag hast Du so oder so ähnlich schon dutzende Male in Deinem Leben erlebt. Schau mal zurück auf dieses Jahr. Fällt Dir im Nachhinein nicht auch mindestens eine Situation ein, vor der Du im Vorfeld die Lösung noch nicht gesehen hast, die am Ende so einfach war? Und wie hast Du Dich davor gefühlt? Und wie danach? Wurde es nicht anschließend sogar noch besser? Ich sage Dir was: Was nach Blödheit aussieht, ist das Leben. Es verläuft nicht Straight nach Plan. Und wenn, nur selten. Und genau deswegen ist es so interessant. Also bleibe entspannt, suche weiter nach Lösungen auf Deinem Lebensweg und erfreue Dich dann an den Ergebnissen.

Und vertraue auf die Wunder, die Dich jeden Tag ereilen. Diese glücklichen Zufälle, die Dir mir nichts Dir nichts über den Weg laufen und Dein Leben unglaublich bereichern und spannend machen. Falls Du sie nicht siehst, lasse Dir gesagt sein: Sie sind da, öffne Deine Augen für sie und schmunzle im Nachhinein über diese vielen unglaublichen Zufälle, die Dein Leben parat hält. Diese Wunder kommen nie geplant, aber mit der nötigen Gelassenheit kannst Du Fehltritte und Rückschläge besser wegstecken. Und wenn Du dann hinterher sogar noch über Dich und Dein Ungeschick lächeln kannst, dann hast Du sogar Spaß am Leben. Klingt das nicht verlockend?

Schön, dass Du hier bist!

Verpasse keinen Artikel mehr und trage Dich für meinen Newsletter ein:

Hie findest Du weitere Artikel:

Dein Glück liegt vor Deiner Haustür

Urlaub für die Seele

Das macht man aber nicht

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen