Wie das Bild entstand

 

Das Bild entstand mit meiner Kamera. Einfach draufhalten, Auslöser drücken, fertig!

Na gut, Spaß beiseite. Ich war am 04. Februar 2017 in Schleswig-Holstein, entlang der Ostseeküste auf der Suche nach spannenden Motiven, unterwegs. Mein Weg führte mich durch Zufall nach Kellenhusen. Manchmal bin ich über die vielen Zufälle, die am Ende so ein Bild ausmachen dermaßen überrascht, dass es mir schwerfällt zu glauben, dass es sich tatsächlich um Zufälle handelt. So gestaltete sich auch dieser Tag.

Auf Motivsuche habe ich im Grunde zwei unterschiedliche Vorgehensweisen. Entweder ich fahre auf blauen Dunst los und begebe mich intuitiv und zufällig grob in eine bestimmte Richtung, bis ich etwas interessantes entdecke. Oder ich bereite mich akribisch im Hotel oder zu Hause auf meinen Ausflug vor, sondiere Fotospots mittels Internetrecherche, bewerte mögliche Lichtverhältnisse und beginne entsprechend meines Plans am nächsten Morgen mit dem ersten Wegpunkt. Alsbald merke ich, dass ich unzufrieden mit meiner Planung bin und gehe zu Variante 1 über.

An diesem Tag war Variante 1 dran. Ich fuhr früh von Zuhause los und machte mich grob auf in Richtung Ostsee. Mein Nachtlager war für Fehmarn geplant. Ich war fest entschlossen abends vor meinem Zelt einen frischen Kaffee auf offenem Feuer aufzubrühen und stellte mir gedanklich schon den frisch-bitteren Duft vor, der mir in die Nase steigen würde, bevor sich die köstlich duftende, schwarze Flüssigkeit langsam wärmend ihren Weg bahnen würde. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass das Hotel, das ich bereits gebucht hatte, kein offenes Feuer in seinen Zimmern erlaubt. Auf Sand gebaut!

Jedenfalls schlug ich die Küstenstraße ein und begab mich auf den Weg nach Norden. Es war ein eher grauer Tag, immer wieder schauerte es. Und außerdem gab es auch noch Regen. Irgendwann auf meinem Weg entschied ich mich dazu, doch mal in einem Ort Halt zu machen, auch wenn das Wetter weiter eher mies war. Für schlechtes Wetter habe ich eine fotografische Regel:

Jede Fotografin und jeder Fotograf träumt eigentlich davon, dass sie oder er vor einem besonderen Motiv steht und plötzlich die Wolkendecke aufbricht, die Sonne ihre gleißenden Strahlen durch ebendiese streckt und die Landschaft anschließend in ein magisches Licht taucht. Glaube mir, dass kann nur passieren, wenn Wolken da sind. Deswegen fahre ich gerne bei Regen und grauem Wetter los. Oft passiert es nicht. Aber an diesem Tag war es anders!

Ich betrat also den Strand von Kellenhusen und bemerkte recht zügig die wunderschönen Buhnen, die in regelmäßigen Abständen in das Meer ragten. Für die einzigartige Seebrücke hatte ich in diesem Moment keine Augen. Ich baute also Kamera und Stativ auf und begann zu fotografieren. Dabei ist unter anderem dieses Bild entstanden, das ich sehr mag. Ich werde gleich erzählen, was es mir bedeutet.

Als ich vielleicht eine halbe Stunde in meinem Tunnel des Fotografierens war, brach dann tatsächlich die Wolkendecke auf. Es war zwar nicht ganz so, wie man es sich selbst in seinen kühnsten Träumen ausmalt, aber es war dennoch grandios schön.

Die Wolken bildeten diese wattebauschartigen Formationen und ließen mit leichtem Widerstand nach und nach immer mehr von den wärmenden Sonnenstrahlen in Richtung Meer und Strand durch. Ich stand mit offenem Mund vor meiner Kamera und versuchte diese unglaubliche Stimmung so gut es geht einzufangen. Heraus kam schlussendlich dieses Bild. Nach wie vor schaue ich es mir gerne an, denn neben der reinen Ästhetik versteckt sich dahinter für mich auch eine Aussage.

 

Was so schief ging auf dem Weg zum finalen Bild

 

Nahezu jedes Foto entwickelt sich im Kopf vor Ort. Es ist für mich primär wichtig, die Lichtstimmung und das Motiv zu sehen und zu spüren. Erst dann entwickelt sich in meinem Kopf die Vorstellung zum fertigen Bild. Was dann folgt, ist die Umsetzung. Und ab und zu passieren dann Dinge, die man so nicht auf dem Zettel hatte.

In diesem konkreten Fall erregte ich am Strand mit meiner Kamera aufsehen bei einer jungen und sympathischen Familie. Der Familienvater fotografierte seinerseits selbst, so dass ich meine Konzentration immer wieder unterbrach (was ich gerne tat), um über technische Details zu philosophieren. Was ich dabei nicht bemerkte war, dass der Sohn der Familie sich immer wieder auf eine der Buhnen setzte und so eine Zeitlang während der Langzeitbelichtung durch das Bild huschte.

Ebenso sieht man auf dem Bild deutlich die große Ansammlung von Sensorflecken, die ich im fertigen Bild aufwendig wegretuschieren musste. Für das Outtake-Bild habe ich sie gerne beibehalten.

 

Was ich in dem Bild sehe

 

Das Bild ist für mich nicht nur ein Foto bei optimalen Bedingungen. Es ist insgesamt nicht selbstverständlich zur lichttechnisch meistens eher schwierigen Mittagszeit ansprechende Bilder zu schießen. Hier aber hatte ich wieder unglaubliches Glück, dass die Wolkendecke aufbrach, diese tolle Formation aus Schäfchenwölkchen bildete und die Sonne durchließ.

Wenn ich dieses Bild betrachte, sehe ich die Unendlichkeit darin. Klar, das Leben ist endlich. Die Erde, selbst das Universum – alles wird früher oder später wieder in seinen Ursprung zurückkehren. Unendlichkeit ist in diesem Fall für mich keine Frage der Sterblichkeit. Es war für mich ein unendlicher Moment. Das habe ich versucht in dem Bild einzufangen. Die Buhnen verlaufen sich ebenso in der Unendlichkeit, wie das Licht der Sonne und das Meer, das am Horizont mit dem Himmel verschmilzt.

Oft machen wir Menschen den Fehler, den perfekten Moment nicht wahrzunehmen oder gar in diesem Moment schon zu trauern, weil er sehr bald geschehen sein wird. Wenn Du den Moment genießt, spielt Zeit und die Endlichkeit keine Rolle. Dadurch kannst Du wahre Unendlichkeit sogar spüren. Und nebenbei bist Du in diesem Moment frei von jeglicher Angst. Hast Du jemals Angst gespürt, wenn Du einen Moment so richtig – ich meine wirklich so richtig – genossen hast?

Kennst Du auch Momente, die unendlich sind? Schreibe Sie mir in die Kommentare oder per Mail an:

Kontakt@Svenbunk-Fotografie.de

Ich freue mich drauf!

Schön, dass Du hier bist!

 

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