Wer noch nie in Sankt Peter-Ording war: Dem lasse dieser Beitrag eine Empfehlung sein, das dringend nachzuholen. Urlaub für die Seele an einem in Deutschland einzigartigen Strand. Und wenn Du es dann noch schaffst zur richtigen Zeit dort zu sein, kannst Du vielleicht sogar solche Fotos machen.

Aber wie gewohnt steckt auch hinter diesem Bild eine Geschichte und eine tiefere Bedeutung für mich. Das liest Du am Ende dieses Artikels.

 

Wie das Bild entstand

 

Es war einer meiner ersten Ausflüge überhaupt, den ich rein für meine Leidenschaft – die Fotografie – reserviert hatte. Ich reise antizyklisch. Soll heißen, wenn andere aufgrund von Wetter oder Jahreszeit zu Hause bleiben und sich auf der Couch einkuscheln, dann fahre ich los. Wenn das Wetter ungemütlich und kalt wird, dann bin ich unterwegs. So war es auch hier. Es war im November 2016, als ich nach Sankt Peter-Ording kam. Ich hatte mal gehört, dass es dort einen ansehnlichen Strand und beeindruckende Pfahlbauten gibt. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich überlegt habe einen Ausflug dorthin zu machen. Aber wie ich mich kenne, nicht sehr lange. So sattelte ich die Pferde und verbrachte dort ein ganzes Wochenende.

Im Hotel eingecheckt am Freitag, nutzte ich die letzten Sonnenstrahlen aus und inspizierte den naheliegenden Strand. Was ich dann zu sehen bekam, irritierte mich sehr. Ich betrat den Strand, aber es war kein Meer da. Ich höre Dich jetzt sagen, klar! Ist ja die Nordsee. War wohl Ebbe. Aber wenn ich eines als Norddeutscher kann, dann ein Wattenmeer von einem Strand unterscheiden. Und ich stand definitiv am Strand!

 

Unendliche Weiten

 

Der Strand von SPO (wie wir Norddeutschen zu sagen pflegen 😉) ist kein normaler Strand. Er ist breit wie eine Wüste. Ich deckte mich also mit etwa 50 Litern Wasser ein, mietete mir ein Kamel und stapfte los.

Ich musste ungefähr 15 Minuten gehen, bis ich das Wasser erreichte, was bei meinem von Faszination gebremsten Tempo ungefähr einen Kilometer Strecke ausmachte. Und ich ging nicht längs, nein – quer und direkt auf das Wasser zu. Kurz umgedreht entdeckte ich den Ausgangspunkt meiner Expedition nur noch als kleinen Punkt am Horizont. Möglich ist es aber, dass das nur eine Fata Morgana war. Vorsichtshalber setzte ich mir Wegmarken, damit ich eine realistische Chance bewahrte tatsächlich wieder im Hotel anzukommen.

Wie ich den Rückweg fand

Hier siehst Du eine von 43 Wegmarken! Okay, in Wirklichkeit markiert dieses Schild inmitten des Strandes den früheren Standort einer Kirche, die nicht so viel Glück hatte wie ich, und so den Weg zum Hotel nicht rechtzeitig geschafft hat.

Pfahlbauten – überall Pfahlbauten

 

Ich weiß nicht, wem es so geht wie mir. Aber ich konnte mir zwar unter dem Begriff „Pfahlbauten“ etwas vorstellen, aber so richtig irgendwie doch nicht, wenn ich ehrlich bin. Zum Glück muss ich das heute nicht mehr, denn ich habe sie mittlerweile in voller Pracht erlebt. Pfahlbauten sind auf Stelzen gebaute Häuser, damit Hochwasser den Gebäuden oberhalb der Stangen nichts anhaben kann. Macht Sinn, oder? Ich persönlich halte diese laienhafte Definition aber auch für unvollständig. Ich denke, Pfahlbauten sind für Fotografen gemacht! Kann es ein besseres Motiv geben? Strand, Pfahlbauten, Meer – fertig! Im Sommer tobt hier in Sankt Peter-Ording das Partyvolk. Wenn das weg ist, komme ich und fotografiere ihre liebsten Feierlocations. Um Dir zu beweisen, dass ich wirklich da war, habe ich mich auch kurz mal selbst ins Bild gestellt. Gar nicht so leicht für einen Zappelphilipp wie mich 20 Sekunden mehr oder weniger ruhig zu stehen, ohne sich zu bewegen.

Was dann geschah

 

Ich zeige Dir hier schon die ganze Zeit Bilder vom Samstagmorgen. Damit ist der Spoiler jetzt endgültig aus dem Sack: Ich habe es am Freitag unversehrt wieder ins Hotel geschafft. Der Vorteil bei meinen novemberlichen Ausflügen ist, dass ich nicht so früh aufstehen muss, um einen Sonnenaufgang zu erleben. Ich verließ also gegen 6 Uhr das Hotel neuerlichst und folgte den am Vorabend aufgestellten Wegmarken in Richtung Pfahlbauten. Was ich dann erlebte, liegt bar jeder verbalen Ausdrucksform. 

 

Die Magie der Natur

 

Noch lange, bevor die Sonne aufging, zeigte die Natur ihr wohl schönstes Licht: Die blaue Stunde. Da die Pfahlbauten (wie bereits leise angedeutet) etwa 312 Kilometer von der nächsten bewohnten Siedlung entfernt liegen, störte nur wenig künstliches Licht die Atmosphäre. Der komplette Himmel färbte sich blau und lila, am Horizont erschien ein rot/oranger Streifen, der einen Sonnenaufgang ankündigte – und ich war alleine an diesem wunderschönen Ort. Wie kann ich nur immer wieder so ein Glück haben? Ich schoss einige Fotos und kehrte der blauen Stunde so langsam den Rücken – zufrieden und glücklich aufgrund der wunderbaren Bilder und des Erlebnisses. Mir war klar: Besser kann es nicht werden!

 

In SPO auf Sand gebaut: Die Sonne ging auf

 

Aber weit gefehlt: Es wurde noch besser! Kurze Zeit nach meinen Fotos der blauen Stunde ging die Sonne auf. Es war magisch. Es war unfassbar. Es war surreal. Die eben noch stark vorhandene Dunkelheit machte Platz für den Hauptdarsteller des menschlichen Lebens! Sie hatte es eilig an diesem Morgen und verlor nicht viele Worte. Die Sonne ging am Horizont auf und tauchte die gesamte Landschaft in von mir noch nie so gesehenes, goldenes Licht. Es war wie eine Regenwolke, die man beobachten kann, wenn sie auf einen zurollt. Man kann von zehn herunter zählen, und dann wird man erwartbar nass. Die Sonne tat es ihren Schlechtwetterkumpels an diesem Morgen gleich und erstrahlte die Landschaft nicht auf einmal, sondern Stück für Stück. Ich denke, ich muss nicht erklären wie das Gefühl war, als die Sonne bei meinem derzeitigen Aufenthaltsort irgendwo am breiten Strand von SPO ankam. 

Was mir das Bild bedeutet

 

Jetzt habe ich Dich lange genug mit meiner Beschreibung dieser Szenerie in Anspruch genommen. Deswegen fasse ich mich in der Essenz ein bisschen kürzer. Wenn ich diese Bilder eines meiner ersten Fotoausflüge betrachte, dann schaue ich mit sehr viel Demut zurück an diesen Tag. Der Morgen war magisch, das Licht unvergleichlich schön. Nie zuvor und nur selten danach durfte ich diese Magie der Natur erleben. Ich suche seitdem nach diesen Möglichkeiten, weil sie mich mit Dankbarkeit erfüllen und mich für alles andere entschädigen, was auch mal im Leben nicht so klappt.

Mir ist klar, dass man diese Momente nicht jeden Tag erleben kann. Und mal ehrlich: Wenn es so wäre, wären sie auch nichts besonderes mehr. Ich denke nur, dass wir sehr oft die schönsten Momente der Natur verpassen, weil wir gerade mit „wichtigeren Dingen“ beschäftigt sind. Gehen wir doch alle öfter mit offenen Augen durch die Welt: Das ist mein Plädoyer des heutigen Artikels!

Wir Menschen sind eine begrenzte Zeit auf diesem Planeten. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nur ein Ziel haben: Das wir es uns in dieser Zeit so schön wie möglich machen. Am Besten gelingt das in der Natur. Wer das Staunen verlernt über diese Wunder, die wir jeden Tag erleben dürfen, der ist meines Erachtens bereits tot. Egal, ob er noch atmet. Macht die Augen auf: Uns liegt die gesamte Schönheit und das Glück zu Füßen! Spätestens seit diesem Morgen weiß ich, dass genau das mein Weg ist!

Weiterlesen

Wie wichtig es ist auch mal andere Wege zu gehen, liest Du hier:

https://svenbunk-fotografie.de/das-macht-man-aber-nicht

Was ein Moment wie dieser für mich bedeutet, kannst Du hier nachlesen:

https://svenbunk-fotografie.de/unendlichkeit

 

 

Tolle Insider-Tipps zu Sankt Peter-Ording für Deinen nächsten Ausflug erhältst Du in diesem grandiosen Artikel von Kerstin:

Gegen den Wind: Insider-Tipps für St. Peter-Ording

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