Urlaub vom Alltag und im Matsch. Eine meiner liebsten Beschäftigungen an den Wochenenden. Dieses Bild ist am 22. April 2018 entstanden und hat meiner Waschmaschine eine Menge Arbeit beschert. Bevor ich Dir die Quintessenz berichte und erzähle, was das Bild für mich bedeutet, erzähle ich Dir, wie es entstanden ist.

 

Auf unbekannten Wegen

 

Ich fuhr mal wieder recht planlos durch die nähere Umgebung in Bremen. Ich wollte meine neue Kamera ausprobieren, die ich am Tag zuvor gekauft hatte. Voller Euphorie – was nicht oft passiert – schälte ich mich um 5 Uhr aus dem Bett und fuhr los. Es war noch dunkel, die Sonne versteckte sich noch irgendwo in Russland, als ich in eine kleine Nebenstraße abbog. Hier gab es aber offensichtlich keinen Fotospot, der mir ein schönes Foto bescheren konnte. Aber nur auf den ersten Blick.

Ich entschloss mich den Wagen zu parken und mal abseits vom Wegesrand zu schauen. Ich hatte kurz zuvor einen Fluss überquert und dachte, den muss ich doch irgendwie erreichen. „Irgendwie“ trifft es ganz gut. Nur dieses eine Feld wollte überwunden werden. Also schlug ich mich vorbei an abgestorbenen Bäumen, kletterte unbeholfen über einen Stacheldraht, verfing mich in selbigem, befreite mich kurzerhand wieder und gelangte endlich auf den unbewirtschafteten Acker. Was dann passierte, hätte man ahnen können. Hab ich aber nicht!

 

Matsch im Glück

 

Ich sank unmittelbar nach Betreten des Feldes bis zum Knie im Matsch ein. Ich hatte Mühe mich überhaupt zu befreien und weiß noch, dass ich dachte: „Hoffentlich gibt`s in Bremen keinen Treibsand“. Ich fluchte leise vor mich hin und musste kurz darauf schon wieder über mich selbst und meine Tollpatschigkeit lachen. Was die Vögel, die mich über die gesamte Aktion hinweg beobachteten, dachten, ist nicht überliefert. Ich bildete mir ein, dass eine Krähe einen Flügel verachtlich vor den Augen zusammenschlug.

Unbeirrt, aber immer noch lächelnd fluchend setzte ich meinen Weg fort und gelangte schließlich nicht dorthin, wo ich hin wollte. Alles umsonst? Zum Glück nicht, denn ich fand schlussendlich den Fluss doch noch. Was dann passierte, sagt das Bild in meinen Augen ganz gut aus: Die Sonne ging auf, der Nebel stieg unter den wärmenden ersten Sonnenstrahlen empor und bildete diese einzigartige Szenerie. Wieder einmal hatte ich dieses Glück, das ich kaum fassen konnte. Unter widrigen Umständen suchte ich nach einem geeigneten Platz für ein Bild. Ein Vordergrund musste her!

 

Im Netz der Spinne

 

Und auch hier hatte ich wieder mehr Glück als Verstand. „Nicht schwer“, wird der eine oder die andere jetzt denken Aber ein bisschen fies ist das schon. Also schäme Dich! Aber nicht zu lange. Hast ja recht. 🙂 Das gesamte Feld war überseht mit diesen Spinnennetzen. Hier hatte lange kein Mensch, kein Tier und kein Rasenmäher sein Unwesen getrieben. Unberührte Natur quasi. Zumindest in einem Zeitbereich von wenigen Wochen. Ich fühlte mich wie ein Pionier!

Ich ging also so nah wie möglich an ein Spinnennetz heran und nahm dieses Bild mit sehr wenigen Versuchen auf. Es ist bei solchen Bedingungen wirklich nicht schwer, solche Fotos zu schießen. Am Ende musste ich einfach nur auf den Auslöser drücken. Ein herrlicher Moment. Ich wusste sofort, dass mir das fertige Bild gefallen wird. All der Aufwand hat sich also auch an diesem schönen Morgen wieder gelohnt. 

Meine Klamotten müssen einiges ausstehen

So sieht es nach meinen kleinen Fotoausflügen regelmäßig aus. Ganz oft bekomme ich den Tipp mir doch angemessene Kleidung zuzulegen und zu tragen. Gummistiefel, entsprechende Hosen und so weiter. Ich ignoriere diese Hinweise gerne, da ich natürlich nie plane im Matsch zu versinken. Wenn ich aber einen Fotospot sehe, der interessant sein könnte, dann muss ich dorthin. Egal wie meine Klamotten das finden. 

 

Dem Moment geschuldet

 

Beide Bilder sind am gleichen Morgen entstanden. Ich mag diese Situationen einfach und suche sie regelrecht. Okay, zugegeben: Ich fahre nicht morgens los und nehme mir vor heute wieder vor bis zum Knie im Matsch zu stehen. Ich versuche schon sauber zu bleiben, wenn es geht. Aber kannst Du Dir die Stille vorstellen, die man an solchen Orten regelrecht spürt? Ich bin alleine mit der Natur und die Natur mit mir. Ich habe es in solchen Situationen noch nie erlebt, dass dort 28 Fotografen um das beste Bild konkurrieren und sich gegenseitig vor die Linse laufen. Warum? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht! Eigentlich müsste es an diesen schönen Orten bei Sonnenaufgang von Menschen nur so wimmeln. 

Das ist für mich Urlaub vom Alltag und Urlaub im Matsch. Ich mag Menschen, ich respektiere Menschen und ich bin gerne mit Menschen zusammen. Das wird Dir nicht anders gehen. Aber seit ich vor ein paar Jahren gelernt habe auch mal für mich alleine zu sein, nehme ich mir bewusst diese Auszeiten von allem. Und ganz nebenbei entstehen ab und zu sogar ein paar schöne Bilder, die mich immer wieder an diesen Moment erinnern.

 

Stehe mal früh auf

 

Versuche es auch mal. Stehe mal früh auf und fahre auf eine Landstraße. Ist Dir schon mal aufgefallen, wie viele kleine Abzweigungen es dort gibt? Es gibt hunderte Wege die zu tausenden schönen Plätzen führen, an denen Du garantierst morgens alleine bist. Probiere es mal, bevor Du zur Arbeit fährst. Sei einfach ein paar Minuten in diesem Moment. Stehe früh auf, fahre vor Sonnenaufgang los, erlebe den Sonnenaufgang, genieße die Natur, lausche den Vögeln, beobachte Deine Umgebung. Das ist Urlaub vom Alltag!

Und wenn Du Dich nicht ganz so ungeschickt anstellst, wie ich, kannst Du anschließend sogar zur Arbeit fahren, ohne Dich umziehen zu müssen. Beobachte anschließend, was der Moment mit Dir gemacht hat und wie es Dir an diesem Tag geht. Da ist keine Form des Alltagsfrusts mehr vorhanden. Du bist gelöst und locker und wirst Deinen Tag gut meistern. 

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